Böblingen / Herrenberg

Die beiden Evang. Kirchenbezirke Böblingen und Herrenberg bilden gemeinsam bei den Kirchenwahlen den Wahlkreis 18.

Beide Kandidierende wurden in die Synode gewählt!
Herzlichen Glückwunsch an Pfarrerin Heidi Hafner und Johannes Söhner und ein ganz herzlicher Dank an alle Unterstützerinnen und Unterstützer der OFFENEN KIRCHE im Wahlbezirk Böblingen und Herrenberg.

Für die OFFENE KIRCHE wurde im Wahlkreis Böblingen / Herrenberg gewählt

Video

Hier gehts zum aktuellen Wahl-Werbespot für den Bezirk Böblingen/Herrenberg, Dreh und Schnitt von Filmemacher Stefan Adam.

Unterstützerliste

Unterstützerliste für die Kandidierenden im Wahlbezirk Böblingen / Herrenberg

Veranstaltungen

Zum Reformationsfest 2020 - eine online-Diskussion

Über „Religionsfreiheit in Coronazeiten“ diskutierten Florian Wahl und Pfarrerin Gerlinde Feine mit Professor Dr. Lars Castellucci aus Wiesloch und Professorin Maria Berger-Senn aus Böblingen sowie Diakon Johannes Söhner, Leiter der Ev. Erwachsenenbildung in Herrenberg und Mitglied der Ev. Landessynode.

Im Februar plante Florian Wahl als SPD- Landtagskandidat ein Treffen, zu dem Prof. Castellucci nach Böblingen gekommen wäre. Nun war alles anders einschließlich des Themas. Der kirchenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion hielt ein Impulsreferat, wie man mit dem Virus (über)leben kann, ohne das Leben komplett anzuhalten. „Wir müssen schauen, was möglich ist, wobei die Grundrechte der Freiheit auf Gewissen und Religion einen riesigen Stellenwert haben“, sagte er. Es sei eine Gratwanderung, denn auch Nicht-Christen sollen ihre Religion ausüben können. „Es werden weitere Konflikte auf uns zukommen, doch eher zwischen denen, die sich keiner Religionsgemeinschaft zugehörig fühlen, und den anderen“, vermutet er. „Dabei sollten wir fördernd unterwegs sein, um die Religion nicht in den Privatbereich abzudrängen.“ Er wünscht sich eine positive und zugewandte Religionsfreiheit ohne hierarchische Unterschiede für alle und plädiert dafür, „den Aushandlungsprozess mit den anderen auszuhalten.“ Obwohl der Politiker mit italienischen Wurzeln (und Verwandten) in der evangelischen Kirche groß geworden ist, schwinge bei ihm am Reformationstag immer ein bisschen Trauer mit in Bezug auf die Katholiken. „Es ist so viel Uneinigkeit in der Welt, wo man mit Einigkeit leuchten sollte.“ Einigkeit in Vielfalt sei eine Krücke, die Reformation bleibe eine Wunde. „Versöhnung und Zusammenarbeit wären die richtigen Begriffe. Da müssen wir weiterkommen“, meint er, nachdem er den Bericht über Religionsfreiheit in der Welt gesehen hatte, über den bald im Bundestag diskutiert wird.

Johannes Söhner: „Wir reden über die Geschichte dieses Tages. In den Tageszeitungen steht heute nichts darüber drin. 95 Prozent der Menschen ist er egal. Wir müssen wieder etwas bewegen zwischen Gläubigen und Nichtgläubigen und auf die Straße gehen wie Halloween.“ Stadtkirchenpfarrerin Feine ergänzte: „Da es kein staatlicher Feiertag ist, feiere ich den Reformationstag immer am folgenden Sonntag. Mit Allerheiligen sollten wir da eine gute Verbindung hinkriegen.“ Maria Berger-Senn, Böblinger Mitglied im Zentralrat der deutschen Katholiken und im Diözesanrat der Diözese Rottenburg-Stuttgart, hat damit keine Probleme: „Es ist sicher kein Zufall, dass Martin Luther die Thesen am Abend vor Allerheiligen anschlug. Nach Paulus sind alle Getauften heilig. Wenn das nicht lutherisch ist!“ Man könne Allerheiligen und den Reformationstag gut übereinanderlegen und sollte überfällige ökumenische Entscheidungen weiterverfolgen.

„Was hat euch in den letzten Monaten am meisten beschäftigt?“

Auf Wahls Frage antwortete Dr. Castellucci: „Wo man nichts machen kann. Ich finde, wir machen vieles gut und man kann sagen: ‚Zum Glück lebe ich in Deutschland‘. Aber die Einsamkeit der Demenzkranken in den Altenheimen - das ist nicht zu heilen. Ich hätte auch nicht gewusst, wie man das verhindern kann.“ Er hoffe sehr, dass es durch die harten Maßnahmen möglich wird, danach Lockerungen zu erlauben. Sicher sei er jedoch nicht. Kitas sollen nicht geschlossen werden und Kunst sei wichtig. Er hoffe, dass Weihnachten und die Jahreswende wieder gefeiert werden können.  Söhner brachte einen anderen Punkt ein: „Vor dem Lockdown haben wir über Nachhaltigkeit diskutiert und dann haut das Virus so rein und zeigt, was alles möglich wäre. Wir sind so nah dran, die Welt zu zerstören. Nun müssen wir zusammenhalten, um Corona in den Griff zu kriegen. Aber wir dürfen nicht wegschauen. Corona zeigt, es geht.“

Maria Berger-Senn, die auch Referendare ausbildet, beschrieb die Schwierigkeiten, mit denen die neuen Lehrer durch die vielen Ausfälle in der Ausbildung konfrontiert sind. „Das sind spannende Zeiten, in denen jede Woche neue Informationen aus dem Ministerium kommen.“ Auch in den kirchlichen Gremien sei die Arbeit durch die Digitalisierung und ständig neue Entscheidungen anstrengender geworden. Pfarrerin Feine hatte wohl auch Beschlüsse in der Kirche vor Augen, als sie sagte: „Ich denke, der Liebe Gott hat keine Lust mehr auf kirchliche Veränderungen und hat den Laden zugesperrt.“ Der neue Kirchengemeinderat habe sich einmal im März getroffen und ab Mai digital weitergemacht und ökumenische Projekt angepackt, wie Beerdigungsgespräche und Trauergottesdienste sowie Apagefeiern online. Er überlegte: „Was braucht die Gesellschaft von der Kirche? Welche Bedeutung haben Abendmahlfeiern bei den Evangelischen und den Katholiken?“ Berger-Senn dazu: „Der Ritus gibt uns Stabilität in der Krise. Wenn das wegfällt, fehlt etwas.“

Söhner machte die Erfahrung, dass mit dem Gabenzaun, an dem Pakete hängen, und der mobilen Vesperkirche die Kirche positiv auffiel. Auch beim Thema Schule habe man besonders Flüchtlingen und Kindern ohne PC geholfen, indem die Kirche in den Ferien wochentags zur Verfügung stand. „Da haben auch muslimische Kinder die Kirche positiv erlebt.“ Dr. Castellucci ergänzte: „Halloween ist wie Reformation. 50 Prozent unserer Zeit sollten wir draußen sein. Stattdessen hängen wir in Gremien fest und reden über Häuser, in die es reinregnet. Die Menschen zu erreichen, ist der zentrale Punkt.“ Selbst im Bundestag störe es ihn, dass er wegen der Abstände nicht mal schnell mit einer Kollegin sprechen kann. Er scheue sich im Moment auch, Hausbesuche zu machen.

Das Thema Häuser führte zu Weihnachten. Feine: „Was brauchen wir für das Fest? Was brauche ich, wenn ich allein bin?“ Wahl, der mit seiner Pfarrerin auch im Böblinger Stadtrat sitzt, findet, dass die Gemeinde größere Räume zur Verfügung hat, als die Kirche. „Damit sollten wir anders umgehen.“ Castel­lucci hofft, dass man ab Mitte November über Weihnachtsgottesdienste am Band nachdenken kann, so wie Musiker schon jetzt zwei Konzerte hintereinander geben. Berger-Senn erinnert daran, dass der Retter für die Armen und Schwachen geboren wurde und man überlegen sollte, wie diese das erleben können. „Es wäre toll, wenn wir die Religion konvergent nutzen und die gemeinsamen Dinge vorantreiben könnten.“ Das Singen draußen könnte weitergehen und Gottesdienste sind im Gegensatz zum ersten Lockdown jetzt möglich.

Bericht: Renate Lück

 

Bezirksvertretende

Kirche hat Zukunft

Die OFFENE KIRCHE setzt sich in der Landessynode ein für

  • absolute Gleichstellung homosexueller Paare: „Kirchliche Trauung für alle“. 
    Nachdem die letzte Synode die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ermöglicht hat, die immer noch diskriminierende Elemente enthält, steht nun die völlige Gleichstellung an.
  • weitestgehende Klimaneutralität bis 2035:
    Landeskirche und Kirchengemeinden werden auf den Weg verpflichtet und dabei begleitet.
  • eine höhere Präsenz in der Gesellschaft, um den Mitgliederschwund zu bremsen.
    Wie z. B. beim Friedenspfarramt, dem kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt und der Evangelischen Akademie Bad Boll, dem Dienst für Mission und Ökumene, bei den Studierendengemeinden, dem Umweltbüro und Krankenhäusern. 
  • Einsatz von kirchlichen Mitteln für den sozialen Wohnungsbau. 
    Eines der größten Probleme breiter Schichten unserer Bevölkerung ist die Wohnungsnot. Hier muss Kirche mit gutem Beispiel vorangehen und kirchliche Mittel in den sozialen Wohnungsbau investieren.
  • Demokratisierung der Landeskirche:
    z.B. Wahl des Oberkirchenrats durch die Synode. 
  • nach dem Jahr 2024 keine weiteren Pfarrpläne mehr. 
    Durch deutliche Intensivierung der Nachwuchsgewinnung weitere Kürzungen im Pfarrdienst verhindern. Die Finanzmittel dazu sind vorhanden.
  • den Kirchengemeinden die vollständige Finanzhoheit über ihre Mittel einräumen und keine Mittel zurückhalten. 
    Durch eine Ausbezahlung aller Mittel, die für die Kirchengemeinden bei der Landeskirche eingehen, die Kirchengemeinden an den Mehreinnahmen beteiligen.

Für eine offene und einladende, ­solidarische und innovative Kirche.

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