Lasst unser Schiff frei!

Pressemeldung der OFFENEN KIRCHE zur Festsetzung des Schiffs "Sea-Watch 4"

Nachdem das Schiff Sea-Watch 4 bei seiner ersten Mission 353 Menschen gerettet hat, wurde es nun von den italienischen Behörden festgesetzt. Die Offene Kirche erklärt hierzu als Mitglied im Bündnis „United4Rescue“:

Die Sea-Watch 4 ist unser Seenotrettungsschiff im Mittelmeer, das durch eine Resolution des Evangelischen Kirchentags gefordert und von der Evangelischen Kirche Deutschland gemeinsam mit einem zivilgesellschaftlichen Bündnis an den Start gebracht wurde. Zu ihrem ersten Einsatz war die Sea-Watch 4 am 4. August ausgelaufen.

Der Vorstand der Offenen Kirche kritisiert die Festsetzung der Sea-Watch 4 scharf: Die Begründung könnte fadenscheiniger nicht sein. Der Hauptvorwurf lautet, die Rettung von Menschenleben entspreche nicht der Registrierung des Schiffes. Die Sea-Watch 4 habe zu viele (!) Rettungswesten an Bord, das Abwassersystem sei nicht für die Anzahl der geretteten Personen ausgelegt. Dabei haben die deutschen Behörden erst im Juli das Schiff gründlich inspiziert und bescheinigt, dass es in bestem Zustand und alle Papiere in Ordnung seien.

Immer wieder werden auf diese Weise zivile Rettungsschiffe am Auslaufen gehindert, um ihren Einsatz zu verhindern. Die Sea-Watch 4 ist bereits das fünfte Schiff, das in fünf Monaten festgesetzt oder beschlagnahmt wird. „Die Kriminalisierung der zivilen Seenotrettung auf dem Mittelmeer ist schändlich und spielt mit dem Leben von Menschen,“ so die Vorsitzende der Offenen Kirche, Pfarrerin Erika Schlatter-Ernst. Denn egal ob Rettungsschiffe im Mittelmeer sind oder nicht, fliehen weiterhin täglich verzweifelte Menschen aus Libyen, indem sie die lebensgefährliche Überfahrt über das Meer riskieren. "Alarmphone" meldet allein für die vergangene Woche sechs Bootsunglücke, bei denen insgesamt rund 200 Menschen ertranken. Allein am 21. September starben 111 Menschen, nur 9 Personen konntenvon Fischern gerettet werden.

Schlatter-Ernst weiter: „Die Behinderung der zivilen Seenotrettung muss aufhören. Menschen dürfen nicht im Mittelmeer ertrinken und müssen auf alle Länder in Europa für geordnete Asylverfahren verteilt werden.“

Mit der Festsetzung des Schiffes kriminalisieren die italienischen Behörden nicht nur die Schiffsbesatzung, sondern indirekt auch die Evangelische Kirche Deutschland und ihre Bündnispartner, die die Sea-Watch 4 gemeinsam in den Einsatz gebracht haben. Wir nehmen das nicht stillschweigend hin. Die Offene Kirche fordert, dass das Bündnisschiff Sea-Watch 4 freigelassen wird und schnellstens zur Rettung von Menschenleben auslaufen kann!

Vorstand der OFFENEN KIRCHE