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Finanzhaushalt der Evang. Landeskirche Württemberg [29.11.2018]

Gesprächskreisvotum der OFFENEN KIRCHE zum Haushaltsplan 2019, gehalten bei der Herbsttagung 2018 der Württembergischen Landessynode von Anita Gröh

Sehr geehrte Frau Präsidentin, hohe Synode,
der Haushaltsplan (HHPlan) der Württembergischen Landeskirche für das Rechnungsjahr 2019 ist solide. Mit 770 Mio Euro wird geplant, das sind 1,7 % mehr als im Vorjahr. Dies begründet sich mit der auch in diesem Jahr monatlich zwar leichten, aber doch steigenden Kirchensteuereinnahmen. Die Daten sind beruhigend: Das Vermögen wächst, so in den vergangenen 12 Monaten um 2,85 %. 
Seit dem Jahr 2014 ist der landeskirchliche Haushalt schuldenfrei. Auch das Vermögen der Kirchengemeinden steigt. Dies zeigt sich an den hohen Einlagen der Kirchengemeinden bei der Geldvermittlungsstelle. In den Jahren, in denen die Finanzlage der Landeskirche als sehr gut bezeichnet werden muss, in diesen Jahren muss doch auch im HH-Plan deutlich werden, dass die Landeskirche auf Anforderungen in unserer Welt reagiert oder noch besser: agiert und damit ihrem Auftrag gerecht wird. 
Wir alle wissen: Der HH-Plan wird vom Oberkirchenrat aufgestellt. Im HHPlan zeichnet sich ab, welche inhaltlichen Schwerpunkte in unserer Landeskirche aufgenommen und vorangebracht werden. Die Jahresplanung der Landeskirche hat in der Mittelfristplanung im Zeitraum 2018 bis 2022 vier strategische Schwerpunkte formuliert:

 

  • Familie
  • Digitalisierung    
  • Kommunikation   
  • Personalmanagement

Von vier Schwerpunktzielen sind drei organisatorischer Art. Wo öffnet in einer wirtschaftlich guten Zeit unsere Landeskirche die Tür zur Welt?
Ich benenne die Entwicklungshilfe: 11 Mio € gibt unsere Landeskirche aus für Entwicklungshilfe. Das sind 1,5 % der Kirchensteuereinnahmen. Und von diesen 11 Mio € bleiben 3 Mio € für kirchlichen Entwicklungsdienst in Württemberg. 

Ich benenne als zweites den Schwerpunkt Bewahrung der Schöpfung. Nach intensivem Druck durch die Synode wird die Stelle des Energiemanagements wieder besetzt - eigentlich zu spät. Der richtige Schritt, den ganzen Bereich Umweltmanagement, Klimabeauftragter, Energiemanagement, Energieberatung in ein Referat zusammenzufassen, wurde nicht gemacht. Warum? Weil in anderen Arbeitsbereichen ebenfalls die Erkenntnis käme, dass die Bildung eines Referates notwendig und sinnvoll wäre? Wo agiert unsere Kirche bei der epochalen Veränderung des Klimas – wir haben es im Sommer erlebt – beim Umbruch im Energiebereich, dem Abschied von fossilen Brennstoffen, bei der Veränderung in der Mobilität? Dies alles betrifft unsere Gemeindeglieder. Wo stehen wir hier als Landeskirche? 

Ich benenne als dritten Punkt die Friedensarbeit. Die Landeskirche würde mit einem Referat "Friedensarbeit" die Notwendigkeit aufnehmen, in einer Zeit, in der die Gesellschaft auseinander zu brechen droht, für den Frieden zu wirken. Wir sehen, wie Populisten mit der Begründung, das christliche Abendland retten zu wollen, Menschen ausgrenzen, wir sehen, wie Antisemitismus sich ausweitet. Wir haben erlebt, wie die Nahost-Tagung in der Akademie Bad Boll heftige Vorwürfe und Anfeindungen mit sich gebracht hat. Wo arbeiten wir als Landeskirche für den Frieden? Es ist gut, dass die Repräsentanten unserer Landeskirche sich hier äußern, aber wir müssen mehr für den Frieden arbeiten. Ich stelle fest:

 

  • In einer Zeit, in der die Ausgleichsrücklage der Landeskirche mehr als doppelt so hoch ist wie es lt. HH-Gesetz vorgeschrieben ist, Stellen zu streichen, die in der Finanzkrise 2008 hektisch als "kann wegfallen" beschlossen wurden, ist äußerst kurz gehandelt und wirkt sich katastrophal aus.
  • In einer Zeit, in der es so notwendig ist, in gesellschaftlichen Bereichen als Kirche Gesprächspartner zu sein, Stellen zu reduzieren, etwa beim Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung, oder zukünftig beim Dienst in der Arbeitswelt, ist geradezu mehr als ein Eigentor. Und die Stellenreduzierung beim Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung findet exakt 50 Jahre nach Einführung der ersten Prälaturpfarrstelle des DIMOE in Ulm statt. Das Jubiläum kann gefeiert werden! Wir brauchen keine Stellen für neue interne Aufbrüche, denn diese Aufbrüche geschehen tagtäglich in den Kirchengemeinden.    
  • Wir brauchen PfarrerInnen und Fachleute, die die Konfirmanden, die Gemeinden, die Schulklassen informieren über die Situation in der Mission, in der Ökumene, in der Entwicklungsarbeit.   
  • Wir brauchen Pfarrerinnen und Pfarrer und Fachleute, die in den Betrieben präsent sind, die Veränderungen in der Arbeitswelt sehen, den Sonntagsschutz in Erinnerung bringen, zu den Auswirkungen des liberalisierten Arbeitsmarktes kirchliche Standpunkte entgegenhalten.
  • Wir brauchen Fachleute im Kunst- und Kulturbereich, einer der traditionellsten und gesellschaftlich wirksamsten Arbeitsfelder.  
  • Wir brauchen Pfarrerinnen und Pfarrer, die in ihrer ureigensten Aufgabe, der Seelsorge für Menschen in Not, die im Krankenhaus sind, da sind. Krankenhauspfarrstellen zu streichen ist ein Offenbarungseid.
  • Wir brauchen Kompetenzwissen im interreligiösen Dialog, damit unsere Landeskirche hier sprachfähig bleibt. Gut ist es, dass die Stellen für den christlich-jüdischen und christlich-muslimischen Dialog auf je 100% aufgestockt werden sollen. Aber das sollte dann bitte sofort umgesetzt werden - wofür sich auch der Ausschuss für Mission, Ökumene und Entwicklung ausgesprochen hat - und nicht erst mit dem Stellenwechsel. 

Der Gesprächskreis OFFENE KIRCHE fragt sich, warum der Oberkirchenrat mit diesem HHPlan gerade alle Türen, die zur Welt hinaus gehen, schließt. Mit diesem Haushaltsplan wird in kirchlichen Strukturen gedacht und nicht in Inhalten. Das Geld steckt in Rücklagen fest und notwendige Arbeitsfelder werden so reduziert oder gestrichen, dass sie nicht mehr wahrgenommen werden können – weder von Stelleninhabern noch von Kirchengemeinden. 
Und dabei sind die Budgetrücklagen der einzelnen Dezernate – darauf möchte ich hinweisen - innerhalb eines Jahres von 51,4 Mio € auf 56,6 Mio € gestiegen. Es ist also sehr wohl möglich, bei Umsetzung des Zielstellenpfarrplanes Personen mit anderer Profession mit diesen der Welt und den Menschen zugewandten Aufgaben zu beauftragen und sie zu finanzieren. 

Ich benenne ein viertes gesellschaftliches explodierendes Thema: Wohnraum. Warum ist es in unserer Landeskirche nicht möglich, in einer Zeit, in der bezahlbarer Wohnraum im Bereich unserer Landeskirche das gesellschaftliche Kernproblem ist, in Zusammenarbeit mit Siedlungswerken aus der Ausgleichsrücklage finanzielle Mittel für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen? Weil momentan keine 2 % Rendite darauf zu bekommen sind? Wir legen das Geld lieber in die Rücklage. Es ist so. 

Es ist Aufgabe unserer Kirche, Salz der Erde zu sein. In diesem vorliegenden HHPlan ist dieses Salz kaum zu finden. Wie zu Anfang gesagt: Der HHPlan ist solide. Er zeigt aber keinen Aufbruch, keinen mutigen Weg, als Württembergische Landeskirche unsere Aufgaben – Bewahrung der Schöpfung, Gerechtigkeit und Frieden - in den Alltag so umzusetzen, dass man spürt: Die Kirche ist Salz der Erde. 
Mit diesem HH-Plan ist diese Chance verpasst. Schade.

gehalten von Anita Gröh, Stand 26.11.2018

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