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Manfred Fischer ist gestorben [09.03.2010]

Am 8. März starb Pfarrer Manfred Fischer im Alter von 76 Jahren. Er war Mitbegründer der Offenen Kirche und ihr erster Geschäftsführer. Ein Nachruf von Fritz Röhm:

Am 8. März starb Pfarrer Manfred Fischer im Alter von 76 Jahren nach langem Leiden. Er war Mitbegründer und bis 1980 der erste Geschäftsführer der Offenen Kirche. Von 1988 bis zu seinem Ruhestand im Jahre 1996 war er Geschäftsführender Direktor der Evangelischen Akademie Bad Boll. 

 

Nachruf auf Manfred Fischer bei der Trauerfeier am 12.3.2010 in der Martinskirche in Stuttgart-Plieningen

Liebe Frau Fischer, liebe Familie Fischer, verehrte Trauergäste.
Mit Manfred Fischer verbindet mich die Geschichte der Offenen Kirche. Er war Mitbegründer der Offenen Kirche im Jahre 1972 und bis 1980 ihr erster Geschäftsführer. Er hat die OK zum Laufen gebracht - vom Gemeindezentrum Hohenheim aus. 

Hohenheim war in der Aufbruchzeit der Ort der Offenen Kirche. Dort tagte regelmäßig der Leitungskreis. Im Pfarrbüro war die Geschäftsstelle mit der unvergessenen Ruth Schepperlen. Von dort gingen die Impulse aus, mit denen Manfred Fischer der Offenen Kirche kirchenpolitisches Profil gab. Er scheute sich nicht, die Dinge beim Namen zu nennen. Mit wachem Gewissen als Christ hat er die Konflikte in unserer Welt und in der Kirche gesehen und mit seiner Formulierungsgabe zur Stellungnahme herausgefordert. Wer ihm begegnete, erlebte einen besonnenen und nachdenklichen Menschen, in dem es aber plötzlich aufblitzen konnte, wenn er auf den Punkt brachte, was ihm auf der Seele brannte.

Manfred Fischer gehörte zu den württembergischen evangelischen Theologen, die im Studium die theologisch-wissenschaftliche Kritik an der Bibel lernten und beim Einstieg in das Pfarramt sich fragten, was das für die Gemeinden bedeutet, die davon bisher so gut wie nichts wussten. In der Auseinandersetzung mit bibeltreuen Christen ging es ihm gerade darum, vom biblischen Text her zu argumentieren und Schlagworte zu hinterfragen. Enttäuschungen über manche ernsthaften, aber erfolglosen Versuche der Verständigung hat er wohl nie überwunden.

Manfred Fischer hatte die Gabe der Sprache und setzte sie ein. Er suchte im Umgang mit biblischen Texten „neue Sprachmöglichkeiten, um die heutige Bedeutung Jesu Christi zu erfassen".  „Niedergefahren zur Erde" lautet der Titel seiner Versuche, „das Evangelium weiterzuschreiben, hineinzuschreiben in unsere heutigen Erlebnisse, in unsere heutigen Fragen, Leiden und Auseinandersetzungen".

Manfred Fischer wollte die Kirche mitgestalten. Wie viele andere Kandidaten schaffte er mehrmals nicht den Sprung in die Landessynode. Seine Energie steckte er dafür in den landesweiten Aufbau der Offenen Kirche und in ihre inhaltliche Positionierung, in die Themen der Tagungen und in die Erarbeitung von Wahlprogrammen. Mit seinen entschiedenen Formulierungen zog er auch Kritik und Angriffe auf sich. Über Kritik hinaus ging es ihm darum, die Kirche für die Gesellschaft offen zu halten. Daher der Name Offene Kirche, den sich unsere Gruppierung 1972 gab. 

In der Nummer 0 der „Informationen" der OK betonte er den Gedanken der Offenheit in mehrfacher Hinsicht:

*    Offenheit als ein Anteilnehmen an den Problemen der Zeit
*    Offenheit als Toleranz im Geiste Jesu
*    Offenheit als dialogische Fähigkeit
*    Offenheit als missionarische Kraft kirchlicher Arbeit
*    Offenheit als Widerspruch zu einer Gemeinde oder Kirche im Ghetto
*    Offenheit als Versuch, das Evangelium neu und verständlich zu formulieren

Im Jubiläumsbuch von 1997 zu 25 Jahre Offene Kirche habe ich an diesen Impuls von Manfred Fischer erinnert und gefragt: „Sind wir heute weiter?"

Diese Herausforderungen bleiben. Manfred Fischer sind wir dankbar für seine Eindeutigkeit.
Die Offene Kirche wird Manfred Fischer in Erinnerung behalten als einen Menschen, der sie geprägt und in Bewegung gebracht hat.

 

Fritz Röhm, Ehrenvorsitzender der OK

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