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Strategische Planung in der württembergischen Landeskirche [30.11.2018]

Gesprächskreisvotum für die OFFENE KIRCHE zur Strategischen Planung, gehalten bei der Herbsttagung der württembergischen Landessynode von Elke Dangelmaier-Vinçon

Sehr geehrter Herr Landesbischof July, sehr geehrter Herr Direktor Werner, 
haben Sie vielen Dank für Ihren Bericht zur Strategischen Planung. In ihm sind wichtige Ansätze für eine zukunftsweisende Ausrichtung unserer Landeskirche zu erkennen. Allerdings erscheint die Reihenfolge der Prioritäten noch etwas fragwürdig.

Als ersten Punkt nennt die Planung zukunftsfähige Strukturen für die Landeskirche, als zweiten die Digitalisierung, als dritten die Attraktivität als Arbeitgeberin und erst im vierten geht es um die Präsenz in der Öffentlichkeit, um dann im fünften und sechsten auf die Einladung zum Glauben und auf Diakonie einzugehen. Mit Verlaub, das ist eine Reihenfolge der Prioritätensetzungen, die so einer Kirche, einer evangelischen zumal, nicht angemessen sind. 

Wir haben einen klaren Auftrag, das Evangelium mit Herzen, Mund und Händen unter die Leute zu bringen. Menschen sprachfähig zu machen, dass sie ihren Glauben leben und weitergeben können. Tatkräftig für die dazusein, die Hilfe brauchen und den Mund für die Stummen aufzutun. Danke, dass Sie das im Punkt B 2 klar benennen. Allerdings erst, nachdem geklärt ist, dass die Haushaltsplanung an den Strategischen Zielen ausgerichtet werden sollte. 
Wir brauchen Strukturen, die uns ein zielgerichtetes Arbeiten ermöglichen und erleichtern. Wir sollten die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen und eine glaubwürdige Arbeitgeberin sein.  Einverstanden. Aber das ist nicht das Erste. Kirche-Sein ist kein Selbstzweck, Verwaltung auch nicht. 

Deshalb gilt es, sich klarer daraufhin ausrichten, wozu wir da sind, und dann zu überlegen, wie wir diesem Auftrag bestmöglich gerecht werden. Und das immer wieder von denen her zu prüfen, für die wir da sind. Zu fragen, ob wir die Menschen erreichen, ob wir ihre Fragen und Sorgen ernst nehmen. Gerade, wenn absehbar ist, dass die Steuereinnahmen auch mal wieder eine Richtung einschlagen könnten. Da sollten wir unsere Kontaktflächen zur Gesellschaft nicht mutwillig beschneiden. Die Gesellschaft braucht eine klare Ansage und Positionierung von uns Christenmenschen. Nicht nur, wenn Lehrer*innen denunziert werden sollen, sondern auch wenn gegen Geflüchtete und Menschen anderen Glaubens gehetzt wird. Danke, dass Sie dies angesprochen haben. 

Sagen und zeigen wir unmissverständlich, wofür das christliche Abendland steht: Für Nächstenliebe und Toleranz. Menschen ertrinken zu lassen oder den Blick von menschenunwürdigen Lagern abzuwenden ist Leuten, die sich auf Jesus Christus berufen, schlicht nicht möglich. Danke auch für das Versprechen, im Umgang mit sexualisierter Gewalt noch aufmerksamer zu sein und einen vorbildlichen Umgang mit dieser Problematik anzustreben. Sie haben unsere volle Unterstützung, wenn es um den Schutz der Opfer und weitere Sensibilisierung der Mitarbeitenden in Haupt- und Ehrenamt geht. Die Notwendigkeit von Prävention wird vermutlich nicht mit dem Ende des Projektzeitraums verschwinden. Da sollten wir rechtzeitig verlässliche Strukturen schaffen.

Wenn wir als Kirche wahrnehmbar zur Linderung der Wohnungsnot beitragen, ist das durchaus ein substantieller Beitrag zu einem neuen Kommunikationskonzept. Ebenso, wenn wir uns eindeutig gegen Rüstungs- und Waffenexporte positionieren. Das darf ruhig noch viel lauter geschehen. Es kann nicht angehen, dass der Hunger im Jemen auch mit deutschen Waffen herbeigeschossen wird. Und unsere Geschwister in Kamerun warten darauf, dass wir unsere Stimme für sie erheben. 

Viel Energie und Geld fließt in allerlei Projekte zur Digitalisierung. Es kann nicht angehen, dass wir nur darauf schauen, inwieweit unsere Arbeit digital gestützt werden kann. Wo bleibt unsere ethische Expertise, wenn Deutschland zur führenden Nation in Sachen künstlicher Intelligenz befördert werden soll? Welche Macht sollen Algorithmen über unser Leben bekommen? Wir stutzen den KDA auf die Hälfte!

Und wo bleibt unser vorbildliches und zeichenhaftes Handeln, das belegt, dass wir verstanden haben, was der Klimawandel für unsere und die kommenden Generationen bedeutet? Wo bleibt unsere Solidarität mit den Geschwistern in der Einen Welt, die schon jetzt die Folgen tragen? Wo unser energisches Umsteuern?
Eine strategische Planung sollte in Zukunft auch darauf Antworten haben.  

Elke Dangelmaier-Vinçon 

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