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Votum zur Mittelfristigen Finanzplanung 2019 [05.07.2019]

Gesprächskreisvotum der OFFENEN KIRCHE, gehalten bei der Sommersynode der württembergischen Landeskirche von Prof. Dr. Martin Plümicke

Überschrieben habe ich das Votum, Frau Präsidentin, liebe Synodale, mit: Gleichnis von den anvertrauten Talenten. 

Wir alle kennen das Gleichnis von den anvertrauten Talenten. Ein Herr, der auf Reisen ging, vertraute seinen Dienern sein Vermögen an. Einem gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Als er wieder kam hatte der erste aus den 5 Talenten 10 gemacht, der zweite aus den 2 Talenten vier gemacht und der dritte musste zugeben, dass er das Geld, aus Angst es zu verlieren, vergraben hatte und so nur das eine ihm anvertraute Talent zurückgeben konnte. 
Der Herr sagte zu ihm, hätte er es wenigsten zur Bank gebracht, so hätte er Zinsen dafür bekommen. (Zuruf: Heute auch nicht mehr!) (Heiterkeit) Ich habe ja nur die Bibel zitiert. So frage ich nun Sie, mit welchem Diener können wir die Landeskirche vergleichen? 
Wenn ich mir die Finanzplanung der letzten elf Jahre ansehe, so lange bin ich in der Synode, so verhalten wir uns wie der letzte Diener. Immerhin, wir bringen unser Geld zur Bank und bekommen noch ein paar Zinsen dafür. 

Blicken wir konkret in den Bereich der Landeskirche im eigentlichen Sinn. Die Ausgleichsrücklage ist zwischen 2017 und 2018 von 355,9 Mio. Euro auf 393,5 Mio. Euro angestiegen. Das sind knapp 40 Mio. Euro mehr, eine Steigerung von 10 %!!!. Gleichzeitig haben wir mit dem Haushalt 2019 beschlossen, 30 Sonderpfarrstellen zu kürzen. Da diese Kürzung zwar Stellen streicht, das Geld aber weiterhin vorhanden ist, wird dieses zu einem weiteren exorbitanten Anwachsen der Budgetrücklagen und der Ausgleichsrücklage führen.

Ich möchte jetzt noch auf ein paar Stellen eingehen: 
Erstens. Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt KDA – hier haben wir zwei Stellen gestrichen.
Zweitens. Dienst in Mission und Ökumene DiMOE – hier wurden 1,5 Stellen gestrichen.
Für beide Dienste bedeutet das das Ende der Regionalisierung und eine Zentralisierung in Stuttgart. Der KDA leistet eine unglaublich wichtige Aufgabe bei der arbeitenden Bevölkerung. Er kann in Konflikten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern vermitteln und so den Menschen ganz konkret in ihren Nöten am Arbeitsplatz beistehen. Dies wird nur noch sehr eingeschränkt möglich sein, wenn die Dienststellen nicht mehr in den Regionen aktiv sind. 
In einer Zeit, in der die Konflikte im Süden zunehmen, wir haben hier schon mehrfach von Kamerun gehört, und sich der reiche Norden immer mehr von den armen Ländern im Süden abschirmt, auch darüber haben wir heute in der aktuellen Stunde geredet, ist es eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche, bei den Menschen Verständnis für die Situation im Süden zu schaffen. Nur so werden wir wieder zu einer solidarischen Welt kommen. 
Wir aber streichen die regionalisierten Dienste, die in Kirchengemeinden, in Schulklassen, in Konfirmandengruppen ausgezeichnete Arbeit geleistet haben. Der heftigste Eingriff erfolgt bei den Krankenhauspfarrstellen. Dort sollen über 6 Stellen gestrichen werden. Sind es nicht die Kranken und Beladenen, an die uns Jesus gewiesen hat? Wie steht es da mit unseren Talenten? 

Wir haben die Kompetenz in der Arbeitswelt, wir haben die Kompetenz im Nord-Süd-Konflikt. Wir wissen, wie man Seelsorge bei den Menschen im Krankenhaus macht, und wir haben auch das Geld dafür!!! Nun werden Sie mir vielleicht antworten: Aber ein Talent, die Pfarrer*innen, haben wir nicht mehr in ausreichendem Maße. Ja, aber ist denn Kirche nur handlungsfähig, wenn Pfarrer*innen handeln, frage ich mich. Ich möchte nochmals eindringlich auf den Antrag Nr. 49/18 verweisen: „Der Oberkirchenrat wird gebeten, ein Konzept zu entwickeln, das es ermöglicht, möglichst alle zur Streichung vorgesehenen Sonderpfarrstellen im Zielstellenplan durch andere Professionen zu ersetzen.“ Dann würde Kirche verantwortungsbewusst handeln. Ja, wir haben zu wenige Pfarrer*innen. Aber wir haben die Kompetenz und wir haben die Finanzen, die Arbeit weiterzuführen. Was machen wir stattdessen mit der Ausgleichsrücklage, nachzulesen in der Anlage 6.4: „Absenkung des hohen Niveaus durch Umwidmung in die Pfarrversorgungs- und Beihilfe-Rücklage (2019 sind 70 Mio. Euro, 2020 sind 130 Mio. Euro geplant)“ und das vor dem Hintergrund, dass wir der Personalstrukturplanung entnehmen können, dass die Pfarrbesoldungsrücklage bis 2035, dazu hatte ich gestern einen Antrag, und der soll so bleiben – um weitere 500 Mio. Euro ansteigen wird. 

Werfen wir noch einen Blick in den Bereich der Kirchengemeinden. Kirchengemeinderäte in meinem Kirchenbezirk, mit denen rede ich relativ oft, wundern sich immer häufiger, dass sie in der Zeitung von enormen Kirchensteuersteigerungen lesen, nur bei ihnen kommt gerade so viel an, dass es reicht, den Inflationsausgleich zu finanzieren. Dieses Jahr, im Jahr 2019, ist es anders. Ja. Da haben wir es geschafft, den Zuweisungsbetrag an die Kirchengemeinden um 4% zu erhöhen. Da kommen jetzt tatsächlich mehr Gelder in den Kirchengemeinden an als die Kostensteigerungen auffressen.  
Wir freuen uns sehr über den Antrag aus der Lebendigen Gemeinde und stimmen dem mit Freuden zu, dass auch die Kirchengemeinden in diesem Jahr wieder die 4% Erhöhung erhalten sollen. Ich bin gespannt, ob dafür die Mehrheit zustande kommt, ich hoffe es aber an der Stelle.  

Ich möchte noch auf einen Antrag verweisen, der diese Frage, die immer wieder gestellt wird, wie viel Geld wird den Kirchengemeinden ausgeschüttet, gar nicht mehr nötig machen würde. Im Antrag Nr. 41/17 hatten wir u. a. die Abschaffung der Ausgleichsrücklage der Kirchengemeinden bei der Landeskirche beantragt. Dieses wäre schon nach dem gültigen Recht ohne weiteres möglich. Dann müssten die Kirchengemeinden selber eine Ausgleichsrücklage einführen. So könnte dann jede Kirchengemeinde für sich selbstständig entscheiden, wie hoch die Ausgleichsrücklage ist und sie würde dann immer das gesamte Geld, das für sie eingeht, zugewiesen bekommen. 

Abschließend möchte ich uns ermutigen, zumindest ein wenig dem ersten Diener nachzueifern. Wir haben genug Talente, Talente in Form von hochkompetenten Menschen, aber auch Talente in Form von Silbergroschen, um in der Sprache des Gleichnisses zu bleiben. Lassen Sie uns nun endlich Mut haben und mit Gottvertrauen in unsere Gemeinden investieren. Verstehen Sie mich richtig, ich möchte mit unserem Geld nicht spekulieren, aber ich möchte auch nicht von Synode zu Synode immer pessimistischer werden und so enorme Mengen an Geld vergraben, anstatt sie in kirchliche Arbeit zu investieren.

Denn wir sind überzeugt: Kirche hat Zukunft! (Beifall)

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