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Wachstum um jeden Preis? [16.11.2018]

Wege zu einer zukunftsfähigen Ökonomie - über einen Vortrag von Romeo Edel in Böblingen

Das Thema scheint eher abzuschrecken. Aber die Menschen, die am Mittwoch auf Einladung der OFFENEN KIRCHE in die "Feste Burg" nach Böblingen gekommen waren, diskutierten nach dem Vortrag des Wirtschafts- und Sozialpfarrers Romeo Edel angeregt über dessen Thesen.
Pfarrerin Gerlinde Feine begrüßte den Kollegen, der viele Jahre Studentenpfarrer in Tübingen und dann Gemeindepfarrer in Esslingen war. Nun beschäftigt er sich mit Kompetenz und Herzblut im Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt, der der Evangelischen Akademie Bad Boll zugeordnet ist, mit den Fragen einer zukunftsfähigen Ökonomie.
"Wie kann es gehen? Wenn ich das wüsste, würde ich woanders Vorträge halten", schränkte er gleich zu Beginn die Erwartungen ein. Vor wenigen Jahren sei das Wort "Zukunft" noch positiv besetzt gewesen und galt als Versprechen. "Nun wird uns immer eingeredet, es sei alternativlos, die ausgetretenen Pfade weiter zu optimieren. Denn der Kapitalismus beruhe auf stetem Wachstum. Aber wie wäre es, mal in eine andere Richtung zu gehen oder stehen zu bleiben und innezuhalten?" Im Moment würden die Naturschätze zum Nulltarif verbraucht, Coltan für die Handys zum Beispiel, das von billig bezahlten Afrikanern ausgegraben wird. Autos bestehen aus so vielen Einzelteilen, dass die Wertschöpfungskette nicht mehr zu verfolgen sei. In der Kleiderproduktion funktioniert es aufgrund vieler Nachfragen nach den verwendeten Chemikalien oder Kinderarbeit besser.
Dabei wird deutlich, dass Freiheit und Demokratie etwas mit Rechtsstaatlichkeit, Bildung und Gesundheitsversorgung zu tun hat, so der Pfarrer. "Der europäische Lebensstil ist von externer Fremdversorgung abhängig. Wenn wir weiter über unsere Verhältnisse leben, baden dies unsere Kinder aus. Denn zwei Milliarden Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika möchten auch so leben wie wir." Das bedeute noch mehr Verbrauch an Wasser, Nahrungsmitteln und Energie.

Deutschland importiert über 80 Prozent der fossilen Energie. Weltweit ist der CO-2-Ausstoß seit 30 Jahren auf 35.000 Millionen Tonnen gestiegen. Dabei wurde damals schon gesagt, dass er sinken muss. Das Wirtschaftswachstum hatte nach dem Krieg mit acht Prozent angefangen und dann, ähnlich wie jetzt in China, abgenommen. Zur grünen Transformation gehöre nun die Kunst des Weglassens und im Einklang mit der Natur zu wirtschaften. "Die Ziele wurden 2015 in New York und Paris beschlossen. Es kann niemand mehr sagen, das sind irgendwelche ökologischen Spinner." Neben der Landwirtschaft sei es der Verkehr, dem man am wenigsten zutraut die Klimaziele 2030 der Bundesregierung einzuhalten. Denn Elektromobilität allein sei noch nicht die Lösung. Auch sie braucht Strom, der erst erzeugt werden müsse. "Die Ziele der Bundesregierung, bis 2030 den CO-2-Ausstoß um 55 Prozent zu reduzieren, ist sehr ehrgeizig."
Es müssten alle Menschen ihr Leben verändern, Geräte länger oder zusammen mit anderen nutzen und weniger Wohnraum beanspruchen. Das Problem ist auch das soziale Sicherheitssystem, das fast ausschließlich an der Erwerbsarbeit hänge. Ideen gäbe es. Ein Grundeinkommen für alle könnte ein Baustein zur Lösung sein, wenn es gut ausgestaltet wird. Die Soziologin Frigga Haug empfiehlt, von den 24 Stunden am Tag acht zu schlafen, vier zu arbeiten, vier für die Pflege in Familie oder Umkreis zu verwenden und vier für ehrenamtliches Engagement in Verein oder Krankenhaus. Dann blieben vier Stunden zur freien Verfügung - für lesen, musizieren, was auch immer. Aus dem Publikum kamen Einwände: "Konsum schafft Arbeitsplätze." Und die Herstellung von Batterien für Elektroautos sei noch sehr schmutzig. Audi hatte schon ein 3-Liter-Auto, doch die Kunden wollten lieber SUVs. Statt Essen seien die Kosten für Versicherungen am höchsten. Die Pflege von Angehörigen oder Pflegeheimbewohnern machen meist Frauen, die schlecht bezahlt werden.
"Fakt ist: Der Planet hält unseren Konsum nicht aus", so Edel. Sein Traum: Eine öko-soziale Marktwirtschaft, die diesen Namen verdient.

Renate Lück, Sindelfingen

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