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32. Evangelischer Kirchentag in Bremen [26.05.2009]

„Mensch, wo bist Du?“

Der diesjährige Evangelische Kirchentag, der als „Störenfried“ der Gesellschaft schon seinen 60. Geburtstag feierte, ist angesichts der aktuellen Probleme leiser über die Bühne(n) gegangen als von vielen Älteren erwartet. In den Diskussionen und Bibelarbeiten wurde zwar Tacheles geredet, aber oft erst am Ende und konkrete Forderungen wurden nicht gestellt

Renate Lück
 

Berichte von Eberhard Braun, Anita Gröh, Ehepaar Hauger und Renate Lück.

das Rathaus von Bremen
 

 

Mein Kirchentag – zum ersten
 
Ein schöner tag
in Bremen
meine gastgeber haben mir
ein fahrrad geliehen
und so fahre ich los-
ich habe zeit.

von Ritterhude
der Hamme und
der kleinen Wümme
entlang
frösche quaken
schwertlilien und seerosen blühen
und auf den feldern mit ihren kanälen
stinkt die ausgebrachte gülle

fahrradfreundlicher kirchentag
es ist zu spüren
als ich ankomme
in Bremen
aber noch hat er ja nicht begonnen
es ist Mittwochmorgen
die stille vor dem sturm

Cap San Diego heißt das schiff
es liegt im Europohafen
der kein hafen mehr ist
umgebaut wird
zu wohnungen und kultur-schuppen

ein alter frachter,
1961/62 gebaut
und bis 1981 unterwegs nach Südamerika
heute noch fahrtüchtiges museumsschiff
die zeiten haben sich geändert
bald werden in der region
keine schiffe mehr gebaut
alles verändert sich
sagt der zum Museumswärter
gewordene seemann

im bauch dieses schiffes
ist dann die rede von einem
kirchentag mit besonderem gepräge:
60 Jahre Grundgesetz
60 Jahre Kirchentag
20 Jahre Wendezeit

mensch, wo bist du?
fragt gott
so die lange zuvor prophetisch
erwählte losung
es sei kairos
die wachstumsideologie
ins wanken geraten:
dieser götzendienst
muss beendet werden.

Da sind sie sich einig:
Karin von Welck
Ellen Überschär
Renke Brahm
Präsidentin - Sekretärin und
der gastgebende Schriftführer
  (andernorts wäre er ein Bischof, aber einen solchen wollen
die Bremer Reformierten samt ihren beisitzenden Lutheranern nicht)
Dann die stadt und der dom
und dort am Dom St. petri
das Gedenken:
die Bronzetüren von
Peter Fuchs von 1891
zeitgeistig mit judenhüten
und fratzen gestaltet mahnen
zur selben zeit haben die
Leipziger
ein Mendelssohnfenster
verhindert - schließlich war er  Jude!
jugendliche rappen
eindrucksvoll breakdancend
über die noch immer und immer neu
aufbrechenden konfikte und aggressionen:
Juden Fremde Migranten -
die anderen

am Osterdeich dann
sammeln sich menschen zum
eröffnungsgottesdienst
eindrücklich die jonageschichte
zu wenig prophetisch freilich die predigt
finde ich

denn:
geht es mir, müsste es uns nicht gehen
wie Jona?
vor dem was jetzt zu sagen ist
möchte ich mich drücken,
möchte fliehen, lieber sterben
als das sagen zu müssen
was heute zu erkennen
und zu sagen ist

so aber wird’s
ein friedlicher abend der begegnung
ein kirchentag im spagat
zwischen
wellness-wohlfühloase und zeitansage

gericht und scharfes wort
das wie ein schwert hineindringen müsste
in die herzen der gewissenlosen absahner
all der macher und weitermacher

wie weit sind wir davon entfernt?

vielleicht ist es ja ein zeichen:
mittendrin am dom
an prominentester stelle
und also sozusagen im Herzen
des kirchentags und seiner stadt
spielt die bigband der bundeswehr
sie spielt gut und mitreißend
und wirbt fürs soldatsein
dabei müssten wir doch
„den krieg nicht mehr lernen“

Tempora mutantur, nos et mutamur in illis
oder nicht?
 
Eberhard Braun, Bremen, 20.5.2009
 
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