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Kirche und der Pfarrplan [29.11.2018]

Votum zum Pfarrplan, gehalten vom OK-Synodalen Prof. Dr. Martin Plümicke bei der Herbsttagung 2018 der Württembergischen Landessynode

Frau Präsidentin, liebe Synodale! 
Der PfarrPlan 2024, wir haben es gehört, soll nun während dieser Synode endgültig verabschiedet werden. Vor eineinhalb Jahren hatten wir die "Budgets" für die einzelnen Kirchenbezirke beschlossen. Diese hatten nun die Aufgabe, die Pfarrstellen auf die Gemeinden und Aufgaben in ihren Kirchenbezirken umzulegen. Alle Kirchenbezirke, wir haben es gehört, haben es geschafft, ein Konzept vorzulegen. Allerdings - und das ist meine Erfahrung aus verschiedenen Kirchengemeinden - sind nicht alle davon überzeugt, dass es keinen anderen Weg gegeben hätte. 
Oft wurde ich gefragt: Was ist eigentlich der Grund, dass wir in diesen Zeiten guter Finanzen einen PfarrPlan brauchen? Herr Traub, Sie sagen, die Berechnungen der Personalstrukturplanung (PSP) ergeben dies und um in der Landeskirche eine gerechte Verteilung hinzubekommen, ist der PfarrPlan nötig. Wenn ich das höre, kommt es mir so vor, als wenn die PSP ein Naturgesetz wäre. Das ist sie aber nicht. 
Aus meiner Sicht gibt es zwei wahre Gründe: Wir haben nicht das Geld, um die Pfarrerinnen und Pfarrer bis zu ihrer Pension zu bezahlen und wir haben im Moment nicht die Absolventen und Absolventinnen, um überhaupt alle Pfarrstellen zu besetzen. Ursprünglich war der eigentliche Grund nicht die zu wenigen Absolventen und Absolventinnen, sondern das Geld. Mitte der 1990er-Jahre hat man erstmals Personalstrukturplanungen erstellt und festgestellt, dass langfristig so viele die Pfarrerinnen und Pfarrer nicht finanzierbar sind. So hat man die PfarrPläne aufgelegt, um bis zum Jahr 2030 die Anzahl der Pfarrerinnen und Pfarrer auf ein finanzierbares Maß zu reduzieren. 

Der zweite Grund, die "zu wenigen Absolventen und Absolventinnen", ist eine Folge davon. Man hat jahrelang gar nicht das Ziel verfolgt, mehr Theologiestudierende zu gewinnen. So sind wir jetzt in der Lage, dass wir heute möglicherweise mehr die Pfarrerinnen und Pfarrer einstellen könnten, aber die Bewerbungen nicht haben. 
Von selbst kamen, anders als in den 1980er-Jahren, auch nicht mehr Studierende. Das hat viele Ursachen. Der Bedeutungsverlust der Kirche ist eine; aber auch unsere ewigen Spardebatten haben die Kirche für junge Menschen als Arbeitgeberin nicht attraktiv gemacht. Wie soll man auch einem 17-Jährigen oder einer 17-Jährigen erklären, dass Kirche eine sichere Arbeitgeberin ist, wenn sie gerade mitbekommen, unter welchen Schmerzen 15 % der Pfarrstellen gestrichen werden und dass eine weitere Streichung in ähnlichen Ausmaß in  sechs Jahren schon angekündigt ist. 
Darüber hinaus gibt es unter den Theologiestudierenden - und das konnte ich letzte Woche wieder im Stift erfahren - eine gewisse Angst vor dem Gemeindepfarramt. Wie soll man z. B. heute alleine einer Gemeinde gerecht werden, wenn vor zehn Jahren die gleiche Gemeinde noch zwei Pfarrstellen hatte. 
Dabei wird zumindest ein wenig übersehen, ich hoffe, wir Synodalen konnten den Studierenden ein wenig die Angst nehmen, dass insbesondere die Kasualien im gleichen Maße zurückgehen, wie auch die Zahl der Gemeindeglieder zurückgeht. Aber eines stimmt schon: Die Verwaltung wird nicht weniger. Die Geschäftsführung einer Kirchengemeinde bleibt unabhängig von der Gemeindegliederzahl ziemlich unverändert. Da haben wir übrigens mit dem Projekt Kirchliche Strukturen 2024Plus  auch nicht viel geändert.
Wir hätten seit nun fast 50 Jahren die Chance gehabt, unsere Kirchengemeindestrukturen den staatlichen Strukturen anzupassen. Das wäre neben der Schaffung einer wirklich leistungsfähigen Struktur für unsere Kirche eine echte Entlastung für die Pfarrämter gewesen. Das haben wir, wenn überhaupt, nur halbherzig und sehr langsam angegangen und man hat nicht den Eindruck, dass die Kirchenleitung dieses Ziel überhaupt verfolgt. 

Lassen Sie mich zum Schluss einen Blick in die Zukunft werfen. Der PfarrPlan soll ein Abbild der PSP sein. Die neuste PSP wurde gerade in den letzten Wochen im Theologischen Ausschuss und im Finanzausschuss vorgestellt. Sie zeigt, an Geld fehlt es uns zurzeit nicht. Wir könnten beispielsweise in diesem Jahr 299 Pfarrer*innen mehr einstellen, nächstes Jahr 270, das geht so weiter, und es schwankt so zwischen 200 und 330 bis zum Jahr 2035. Erst danach werden es weniger und selbst im Jahr 2044 könnten wir uns noch 4 Pfarrer*innen mehr leisten als geplant. Das liegt an der außerordentlich positiven Kirchensteuerentwicklung. Dass diese so nicht vorherzusehen war, möchte ich gerne einräumen, auch wenn ich seit 11 Jahren hier von diesem Pult aus immer wieder die außerordentlich pessimistischen Prognosen der Kirchenleitung hinterfrage.
Aber nun, da wir wirklich wissen, dass wir deutlich mehr Geld als geplant haben, sollten wir endlich umsteuern. Wir sollten uns ernsthaft überlegen, ob wir den Pfarrplan 2030 noch benötigen, ob es nicht denkbar ist, eine 10-jährige Pause zu machen und gleichzeitig neue Maßnahmen zu ergreifen, mehr Theologiestudierende zu gewinnen, so dass wir die nötigen Pfarrstellen besetzen könnten.  

Als Sofortmaßnahme wollen wir als OFFENE KIRCHE von dem vielen überschüssigen Geld wenigstens einen Teil den Kirchengemeinden, die die eigentlich Leidtragenden dieser Entwicklung sind, zurückgeben.  
Daher bringe ich den Antrag Nr. 51/18 ein:
Die Landessynode möge beschließen: Der Oberkirchenrat wird gebeten, im Haushaltsgesetz für den Zeitraum 01.01.2020 bis 31.12.2029 vorzusehen, nach IIa, 2, Verteilgrundsätze zusätzlich jährlich jeweils zehn Euro pro Gemeindeglied zur gesonderten Bedarfszuweisung an alle Kirchengemeinden bereitzustellen. 
Begründung: Aufgrund der prognostizierten Erhöhung der Pastorationsdichte im Pfarrdienst entsteht bei den Kirchengemeinden vorübergehend ein erhöhter Bedarf. Die Finanzierung der jährlichen zusätzlichen Zuweisung an die Kirchengemeinden erfolgt entweder durch Globalzuweisung (III. Vorwegentnahmen und globale Zuweisungen der Verteilgrundsätze) aus dem landeskirchlichen Haushalt/Budget Pfarrdienst oder aus der Ausgleichsrücklage der Kirchengemeinden. Eine Finanzierung als Globalzuweisung wäre in der Zeit möglich, in der das Budget Pfarrdienst aufgrund der hohen Ruhestandszahlen nicht vollumfänglich benötigt wird. Dies ist nach den derzeitigen Berechnungen bis zum Jahr 2044 möglich. 
Herzlichen Dank. (Beifall) 

Prof. Dr. Martin Plümicke

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