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Votum der OFFENEN KIRCHE zur Strategischen Planung [21.11.2016]

Prof. Dr. Martin Plümicke hielt das Votum der OFFENEN KIRCHE zur Strategischen Planung bei der Herbstsynode 2016

Frau Präsidentin, liebe Synodale,
vermutlich sind wir uns darin einig, dass 2030 unsere Kirche kleiner sein wird. Dass sie aber weiterhin eine bedeutende Institution in unserer Gesellschaft sein soll, die das Wort Gottes laut und deutlich vernehmbar verkünden soll. 

In Ihrer Vision beschreiben Sie: Kirche 2030 ist wieder in allen Lebensbereichen unserer Gesellschaft präsent. Aber seit 1995 haben wir uns aus immer mehr gesellschaftlichen Bereichen zurückgezogen. Wir haben beispielsweise eine Fachhochschule, ein Museum und drei Studentenwohnheime abgegeben. Wir haben viele sog. Sonderpfarrstellen in gesellschaftlichen Bereichen gekürzt oder aufgegeben. Wir haben die inhaltliche Arbeit in der Akademie und in landeskirchlichen Dienststellen erheblich eingeschränkt. Das alles lief unter dem in der Wirtschaft beliebten Schlagwort: Reduktion auf das Kerngeschäft. Während das für manches Wirtschaftsunternehmen sinnvoll ist, heißt das für die Kirche, dass sie sich im Wesentlichen um 20% ihrer Mitglieder, die sog. Kerngemeinde kümmert. Heute wundern wir uns, dass die Hochverbundenen noch enger mit der Kirche verbunden sind (5. KMU) und dass der Mitgliederschwund an den Rändern nicht gestoppt werden konnte.
Für uns von der OFFENEN KIRCHE ist das die völlig falsche Strategie. Alle Kirchenmitglieder sind unser Kerngeschäft! Auch die sogenannten Kirchenfernen. Wenn wir uns ihnen nicht auch zuwenden, verlieren wir nicht nur weiter Mitglieder. Wir verlieren auch an Reichweite und an Substanz. Bei näherem Zusehen sind sie oft gar nicht kirchenfern sondern nur gemeindefern. Sie sind durchaus interessiert an den Fragen, was unser Leben trägt und prägt. Interessiert an Gott und der Welt. Sie machen sich Sorgen um den Zustand unserer Welt, um die ökologische Zukunft und die politischen Entwicklungen. Und sie fragen danach, was die Kirche dazu zu sagen hat.
Deshalb ist es an der Zeit, mutig aufzubrechen, Veränderungen endlich anzugehen  und Kirche 2030 aktiv zu gestalten. Dann muss uns nicht bange sein.
Doch diesen Mut sehe ich noch nicht. In Ihren 10 Leitsätzen kann ich keine echte Vision erkennen. Eigentlich ist alles schon Realität oder es sollte zumindest Realität sein. Wir erwarten von einer Vision 2030 mehr. Nämlich ein Bild von einer Kirche, das aufzeigt, wie die aktuellen Probleme angegangen werden. Wie wir die Organisation Kirche wieder zu einer attraktiven Institution machen, die mit Zuversicht die anstehenden Aufgaben angeht!
Wir verlieren jährlich eine erhebliche Anzahl von Mitgliedern, wir beschäftigen uns sehr mit uns selber und für 2030 ist geplant 30% unseres operativ tätigen Personals (den Pfarrerinnen und Pfarrer) abzubauen. Da erwarten wir von einer Vision schon etwas anderes als eine Istzustandsbeschreibung!
Ich nenne zwei Punkte, die zu einer Vision Kirche 2030 gehören müssen:

  • Kirche hat die fundamentalen Veränderungen unserer Gesellschaft erkannt und ist wieder in allen Lebensbereichen der Gesellschaft präsent.
  • Kirche hat sich Strukturen gegeben, die der verringerten Mitgliederzahl bei veränderter Siedlungsstruktur und gleichbleibender Fläche gerecht wird.   

Kirchenbezirksreform:            
Es  gibt  Kirchenbezirke, die 2030 kaum mehr 10.000 Gemeindeglieder haben. Solche Kirchenbezirke können weder ihre eigentlichen Aufgaben wahrnehmen, noch ein vernünftige Verteilung der Pfarrstellen im Rahmen des Pfarrplans erstellen. Hier ist die Landessynode als Gesetzgeber gefragt. Schon seit Langem schlägt die OFFENE KIRCHE eine Kirchenbezirksreform vor, die sich an den Landkreisen orientiert. Da muss die Landeskirche endlich einen Vorschlag für eine Kirchenbezirksstruktur 2030 vorlegen.  

Gemeindeverbünde:             
Wir schlagen die Schaffung von Gemeindeverbünden als verbindliche Körperschaften vor. Da können kirchliche Konzepte, insbesondere Pfarrdienstkonzeptionen entwickelt werden und gelebt, beispielsweise im Teampfarramt. Neben dem Pfarrdienst und dem traditionellen Gemeindeleben müssen in diesen Verbünden auch gesellschaftsdiakonische Aufgaben im Gemeinwesen angegangen werden. Die Gemeindeverbünde müssen sich vor Ort durch Zusammenschluss der jeweiligen Kirchengemeinden bilden. Die Landeskirche muss dazu einen Gemeindeplan entwickeln, der für jeden Kirchenbezirk Vorschläge für eine Aufteilung in Gemeindeverbünde enthält. Ich betone: Vorschläge! Die Entscheidungen müssen vor Ort fallen. Als Strukturvorgaben sind die Gesamtkirchengemeinde und Verbundkirchengemeinde gute Ansätze, die aber ergänzt werden müssen, z.B. durch Ermöglichung größerer Leitungsgremien und Direktwahl der Leitungsgremien.

Veranschlagung der Pfarrersfinanzen (NICHT die Anstellung!!!) auf Gemeindeebene: 
Um Kostentransparenz zu schaffen, müssen alle Kosten, die in einer Organisationseinheit entstehen, auch in dieser veranschlagt werden. Sonst kürzt man z.B. Sekretariatsanteile, um die Aufgaben anschließend dem Pfarrdienst zuzuschlagen. Zudem gibt das den Gemeinden die Möglichkeit, über Gemeindemittel den Pfarrdienst aufzustocken.

Anstellung von Diakon/innen:                 
Wenn der Pfarrdienst im Bereich der Gemeindehaushalt veranschlagt ist, muss es zudem zur landeskirchlichen Anstellung der Diakon/innen kommen. So kann man in den Bezirken gleichberechtigt über Pfarrer/innen und Diakon/innen beraten. Beide bei der Landeskirche angestellt und aus den Gemeindefinanzen finanziert.  Zur Verwaltungsstrukturreform liegt ein Vorschlag vor, den die Vorsitzenden des Finanz-und  des Strukturausschusses erarbeitet haben.  
Wenn wir diese Strukturveränderungen in den nächsten Jahren endlich auf den Weg bringen, haben wir bis 2030 funktionierende und zukunftsfähige Strukturen. All diese Ansätze werden aber nur erfolgreich sein, wenn wir gleichzeitig einen Kulturwandel vollziehen und die dezentrale Selbstverantwortung stärken. Dazu muss der OKR Verantwortung aus der Hand geben und dezentrale Einheiten stärken. Dieser Verantwortung müssen sich die dezentralen Einheiten stellen und Kirche an der Basis aktiv gestalten.
Wir trauen ihnen das zu! 

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