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Votum der OFFENEN KIRCHE zum „Haushalt“ [29.11.2017]

Gesprächskreisvotum der OFFENEN KIRCHE bei der Herbstsynode Württemberg 2017 zum Thema "Haushalt"

Tempora mutantur, nos et mutamur in illis, die Zeiten ändern sich und wir mit Ihnen.

Sehr geehrte Frau Präsidentin, hohe Synode,
Es ist älles nemme des, wie der Schwabe konstatieren würde:

Liebgewonnenes und Althergebrachtes stehen heute auf dem Prüfstand. Ansprüche, die wir vermeintlich zu Recht stellen, bedürfen der kritischen Hinterfragung, zum Beispiel:

  • sind unsere Strukturen und unsere Arbeitsweisen noch für die Kirche der Zukunft tauglich,
  • erfüllen wir die Erwartungen unserer Kirchengenossinnen und -genossen in unseren Gemeinden hinsichtlich Verwendung der Kirchensteuermittel, die sie uns zur Verfügung stellen
  • und überhaupt: bringt unsere Kirche Ordnung in das Chaos der Welt und helfen wir mit, die Welt, wie sie der Schöpfergott vorgesehen hatte, in ihrer bewohnbaren Form zu erhalten?

Im Anfang war das Wort, aber kurz danach kam schon die Kirchensteuer und der Haushalt.

Wir haben liebgewonnen und sind allen Kirchensteuerpflichtigen äußerst dankbar, dass wir von Jahr zu Jahr von stetigen Einnahmesteigerungen überrascht werden von Mehreinnahmen, die nicht beplant werden und zu einer Übersättigung z.B. auch der Budgetrücklagen der Dezernate geführt haben.

Die Maxime: Keine Schaffung von Dauerfinanzierungen, sprich Stellen, hatte eine "Projekt-itis" zur Folge, die in ihrem Umfang nur noch schwer zu überschauen ist und unserer Meinung nach keine nachhaltige Wirkung entfaltet. Dies gilt es in Zukunft zu überdenken. Tragende Inhalte zumal in postfaktischen und medialen Zeiten werden von Mitarbeitenden generiert, die sich ihrer Sache mit Haut und Haaren verschreiben und sich über einen langen Zeitraum Sach- und Fachkunde erarbeiten. Unsere Anstellungsverhältnisse werden aber von außen nicht mehr als attraktiv wahrgenommen, weshalb wir einen eklatanten Mangel an qualifizierten Bewerbern für offene Stellen sehen und teure Programme auflegen müssen, um in der Konkurrenz überhaupt noch zu bestehen.

Wir streiten um die Kosten für Klimaschutz- und Energiemanager, wir überprüfen ob Notfallseelsorge einen leitenden fachlichen Kopf benötigt, wir vernachlässigen den Dialog zwischen den Religionen und mit dem Islam, wir sparen uns Antworten zu Weltanschauungsfragen und Tagungsstätten. Und Gebäude werden ge"managed" eher vom Geld her als vom zu transportierenden Inhalt.

Wir haben die Betriebswirtschaft auf den Thron gehoben und merken jetzt erstaunt, dass die Austrittszahlen in der Altersgruppe der gegenrechnenden 25-40-Jährigen am höchsten sind: Denn sie verlangen nach Antworten und Hilfen in persönlichen Sinn- und Lebenskrisen und sie sind es, die merken, dass ein Weiter wie bisher, so nicht mehr geht.
Die Folgen sehen wir: Die elterliche Taufbereitschaft nimmt ab, eine christliche Sozialisation der nachfolgenden Generation findet nicht mehr nur im Elternhaus, sondern vermehrt in Kindertagesstätten und im Religionsunterricht statt, der erfreulicherweise zunehmend auch von konfessionslosen Kindern nachgefragt wird. Dort gilt es nachzusteuern.

Wir begrüßen es daher, dass 2018 wieder mehr Gelder in Familienzentren fließen werden, in denen konfessionsübergreifend unsere Werte vermittelt werden können.

Wir begrüßen, dass wir unsere Hochschulen - sei es die für Kirchenmusik, sei es in Ludwigsburg in der Ausbildung zur diakonischen und sozialen Arbeit - ertüchtigen und unsere evangelischen Fachschulen für Sozialpädagogik für die Zukunft gut aufstellen werden und wir freuen uns, dass die Neueinstellung von Religionspädagoginnen und –pädagogen in den kommenden Jahren über Plan erfolgen wird. So werden wir unserem Auftrag, das Evangelium weiterzugeben, gerecht.

Wir begrüßen, dass die Unterstützung für Familien in vieler Hinsicht 2018 ein Kernthema sein wird und wir hoffen zugleich, dass Familie als dienender Begriff für einander sich verantwortlich fühlende Menschen verstanden wird, die in unserer Kirche Heimat und Hilfe finden.

Von der Art, wie die Lilien auf dem Felde zu leben, haben wir uns mit unserer Vorsorge- und Rücklagenpolitik schon lange nachhaltig verabschiedet. Ein wenig mehr Gottvertrauen würde uns gut zu Gesicht stehen.

Aber es ist gut so, dass wir unseren Pfarrerinnen und Pfarrern samt ihren Familien vom Studium an, über Hilfen während ihrer seelsorgenden Arbeitszeit bis hin zu Krankheit und Alter vorsorgend und beihelfend auch mit Millionenbeträgen zur Seite stehen.
Sie verkünden das Wort, sie sind das tägliche Gesicht unserer Kirche im Land und das Pfund, mit dem wir wuchern müssen, und sie sind jeden eingesetzten Euro wert!

Wobei: Ein paar mehr von ihnen könnten es schon sein, weshalb wir alle Maßnahmen befürworten, die den Pfarrberuf von verwaltenden Aufgaben entlasten, seine Attraktivität steigern, persönliche Gaben im Amt aufblühen lassen und zu einer guten gemeindlichen Versorgung auch in der Fläche führen.

Wir begrüßen, dass der Verteilbetrag im Rechtsträger 0003 an die Gemeinden um 4% ab 2019 fortfolgend gesteigert werden wird. Unsere Gemeinden wissen, was sie damit Gutes tun können, ohne dass wir Ihnen von Seiten der Landeskirche mit zweckgerichteten Sonderzuweisungen auf die Sprünge helfen müssten.

Transformation wird das Zauberwort sein, das uns in die Zukunft führt: Es werde.
Das ist gut reformatorisch und es wird vor allem digitaler sein, auch irgendwie weniger.
Aber wir sollten uns von dieser defizitären Sichtweise verabschieden, die unsere Kirche nur aus dem Mangel heraus definiert.

Wir haben zwei Millionen Kirchengenossen, wir haben unsere Botschaft, unseren Glauben und unsere Schrift.

Wir haben den Weitblick, unsere Kirche ins digitale Zeitalter hinein zu transformieren und die Langmut, den uns Software-Umstellungen, Archivierungen vom Papier zur Festplatte oder Microsoft abverlangen und auch das dafür notwendige Kapital.

Wir haben unseren Auftrag, uns um Benachteiligte zu kümmern, uns gegen Not, Krieg, Gewalt und Ungerechtigkeit zu positionieren und wir tun dies tagtäglich durch diakonische, inklusive und integrative Zuwendung hier im Land und durch Gelder, die z.B. ins östliche Afrika fließen, um Menschen dort eine "über"-lebenswerte Grundlage zu schaffen oder Fluchtursachen zu begrenzen.

Kirche macht was! Der Plan für die kirchliche Arbeit der evangelischen Landeskirche in Württemberg für das Haushaltsjahr 2018 dokumentiert auf 664 Seiten transparent, dass wir facettenreich und verantwortungsvoll mit den uns anvertrauten Kirchensteuereinnahmen von fast 700 Millionen Euro umgehen werden.

Die Offene Kirche wird dem hier vorgelegten Planwerk im Prinzip zustimmen, Einzelkritik werden wir in der Aussprache zur Kenntnis geben und an unsere Kirchengenossinnen und Genossen richte ich den Appell:
Bitte bleiben Sie ihrer Landeskirche gewogen!

Herzlichen Dank!
Dr. Waltraud Bretzger

 

 

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