Karoline Preisler erhält den AMOS-Preis 2021

Eine konstruktive Streitkultur im Geist der Freiheit und des Respekts vor Andersdenkenden

"Das Recht ströme wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach" - Amos, ein Prophet in Israel zu biblischen Zeiten, ist der Namenspate für den Preis für Zivilcourage in Kirche und Gesellschaft: Die OFFENE KIRCHE verleiht alle zwei Jahre einen Preis für Zivilcourage an Menschen, die in besonders eindrücklicher, prophetischer Weise die freimachende und Gerechtigkeit herbeisehnende Botschaft der Bibel weitergeben. Der Preis ist mit 3.000.-- Euro dotiert und wird aus Spenden finanziert. Schirmherrin ist Bundesministerin a.D. Prof. Dr. Hertha Däubler-Gmelin.

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Die Juristin, Politikerin und Buchautorin Caroline Preisler wurde bundesweit bekannt durch ihr mutiges Auftreten bei Demonstrationen gegen die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Dort sucht sie den Dialog und tritt für eine konstruktive Streitkultur ein.

In ihrem 2021 erschienenen Buch „Demokratie aushalten. Über das Streiten in der Empörungsgesellschaft“ fordert sie, neue Werkzeuge und Begegnungsorte für den nötigen Dialog über Streitthemen, wie Grenzen der Freiheit, Religion, Klimakrise, Migration oder Familie zu schaffen.

Preisler selbst  war im März 2020 an Covid 19 erkrankt und hatte in Sozialen Medien mit einem #coronatagebuch über den Verlauf und die Folgen berichtet. Dabei kamen auch Anfeindungen aus dem persönlichen Umfeld zur Sprache: Preislers Kinder wurden wegen der Erkrankungen ihrer Eltern ausgegrenzt, die Familie wurde gemieden und Karoline Preisler selbst öffentlich angegriffen. Trotz der zum Teil massiven Anfeindungen bleibt sie bei den Auseinandersetzungen mit Kritikern der Coronapolitik sachlich und bemüht sich um einen wertschätzenden Umgang. Als Long-Covid-Patientin reist sie auf eigene Kosten zu den großen Demonstrationen und sucht den Dialog mit Kritiker*innen. Bevor sie ihr Plakat auspackt mit der Aufschrift

„Ich hatte Covid 19 und mache mir Sorge um euch“,

sucht sie sich aber einen sicheren Stand, denn dann wird sie oft angegriffen. Doch viele Menschen kommen auf sie zu und erzählen von ihren Problemen, dass sie ihre Lieben nicht im Altenheim besuchen dürfen und Ähnliches. Und sie hört ihnen zu. Sie hat auch Adressen von Beratungsstellen dabei. Leuten, die sich in ihren Grundrechten eingeschränkt fühlen, gibt sie Auszüge aus dem Grundgesetz. Denn das Wort „Corona-Diktatur“ macht sie wütend.

„Als Politikerin ist es meine Pflicht, mit den Menschen zu reden“, begründet sie ihren Einsatz.

Ihr Engagement wurzelt auch in den Erfahrungen einer Kindheit und Jugend in der DDR. 1971 geboren, geriet sie schon 1985 ins Visier der Stasi, weil sie Mitglied einer kirchlichen Jugendgruppe war und in der Schule durch unbequeme Fragen auffiel. Sie ist Mitglied der FDP und engagiert sich ehrenamtlich u.a. in der Lebenshilfe Ostseekreis e.V. sowie im Vorstand der Mecklenburgischen und Pommerschen Bibelgesellschaft. Karoline Preisler lebt mit ihrer Familie in Barth (Mecklenburg-Vorpommern).

Der Einsatz von Karoline Preisler für eine konstruktive Streitkultur im Geist der Freiheit und des Respekts vor Andersdenkenden, für den sie auch persönliche Nachteile in Kauf nimmt, wird mit dem AMOS-Preis gewürdigt. Die Preisverleihung findet am 13. März 2022 um 12 Uhr in der Evang. Leonhardskirche Stuttgart statt.

Katrin Altpeter

Kontakt zur Geschäftsführung des AMOS-Preises:
Katrin Altpeter, Geschäftsführerin AMOS-Preis
Bühlweg 18
71336 Waiblingen
Mail: amospreis@offene-kirche.de
Telefon und Fax: 07151 223 51