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AMOS-Preis Ausschreibung 2017

zur aktuellsten Ausgabe der OK-Zeitung

 

 

Warum AMOS-Preis?


Amos gehört zu den Propheten der Bibel, die genau so gewirkt haben, wie der Leitungskreis der OFFENEN KIRCHE und die Jury sich ihre Preisträgerinnen und Preisträger vorstellen:
Mit dem Preis sollen Personen ausgezeichnet werden, „die in besonders eindrücklicher ... Weise die frei machende und Gerechtigkeit fordernde Botschaft der Bibel weitergeben.“

Amos hat das, was er zu sagen hatte, knapp und direkt zur Sprache gebracht. Er hat sich nicht gescheut, religiöse Veranstaltungen provozierend und schockierend durcheinanderzubringen. Dies hatte zur Folge, dass ihn der Priester des Heiligtums in Betel aus dem Land weisen ließ.
Ein Beispiel für seine provozierende Verkündigung während einer kultischen Feier: „Ich bin euren Feiertagen gram und mag eure Versammlungen nicht riechen... Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder, denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören.“ (Amos 5,21 und 23)

Amos lebte in der äußerlich ruhigen und stabilen Phase Israels und Judas im achten vorchristlichen Jahrhundert. Seiner Verkündigung ist abzuspüren, dass er unbestechlich und klar hinter die Kulissen der glänzenden Fassaden schaute: Auf der eine Seite häufte sich Reichtum und Luxus. Er benannte hingegen deutlich und öffentlich die Kehrseite: Armut, Unterdrückung und Ungerechtigkeit. Amos klagt die Erinnerung daran ein, dass Gottes Liebe und barmherzige Gerechtigkeit nicht auseinanderdividiert werden dürfen. Amos will bewusst machen, dass es im Glauben nicht darum gehen kann, Gottes Liebe für sich in Anspruch zu nehmen, ohne gleichzeitig Gerechtigkeit zu verwirklichen. Er ruft unbestechlich und klar geschliffen in Erinnerung, dass Gottes Barmherzigkeit dadurch qualifiziert ist, dass Recht und Gerechtigkeit zu zentralen Werten des Zusammenlebens erklärt werden. Barmherzigkeit und Liebe ist Gerechtigkeit: „Suchet den Herrn, so werdet ihr leben..., die ihr das Recht in Wermut verkehrt und Gerechtigkeit zu Boden stoßt ... denn ich kenne eure Freveltaten, die so viel sind ... wie ihr die Gerechten bedrängt und die Armen im Tor unterdrückt“ (Amos 5,4 und 12).

Amos wollte aber nicht nur Finger in Wunden legen. Das Ziel seiner deutlichen und provozierenden Botschaft war Veränderung: Zum Wohl der Armen und zur Befreiung der Unterdrückten und Ausgebeuteten. Nur so gab er der Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft seiner Zeit eine Chance.

Mit AMOS hat sich der Leitungskreis im Einvernehmen mit der Jury absichtlich für einen Namen entschieden, der nicht aus der jüngeren Kirchengeschichte stammt. So besteht nicht die Gefahr, den Preis konfessionell zu vereinnahmen und zum anderen weitet sich der Horizont über die christlichen Kirchen hinaus: AMOS „gehört" der jüdischen wie der islamischen Religionsgeschichte nicht weniger als der christlichen.

Pfarrerin Eva-Maria Agster