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zur aktuellsten Ausgabe der OK-Zeitung

 

 

Christlich-islamischer Dialog in guter Nachbarschaft


Der Leitungskreis der Offenen Kirche (OK) hat unter Vorsitz von Pfarrerin Kathinka Kaden (Bad Boll) im Hinblick auf das synodale Treffen zu diesem Thema am 20. Mai 2006 folgende Positionen der OK zum christlich-islamischen Dialog beschlossen. Dieses OK-Positionspapier ist vom synodalen Gesprächskreis der OK einmütig begrüßt worden.

Wir leben seit vielen Jahren und auf Dauer mit Menschen islamischen Glaubens zusammen. Wir nehmen wahr, dass sie aus verschiedenen religiösen, kulturellen und nationalen Zusammenhängen kommen und den Islam in vielfältiger Weise leben. Für uns Christinnen und Christen ist diese Nachbarschaft immer wieder neue Herausforderung und Chance zu gegenseitiger Bereicherung, zumal wir uns der Verwandtschaft der abrahamitischen Religionen von Juden, Christen und Muslimen bewusst sind.

Das Gebot der Nächstenliebe und die kirchliche Verantwortung gegenüber der Gesellschaft rufen uns dazu auf, mit unseren muslimischen Nachbarinnen und Nachbarn in Frieden und auf der Grundlage gegenseitiger Achtung zusammenzuleben. Damit leisten wir auch einen Beitrag zum inneren Frieden unserer Gesellschaft. Im Gespräch mit Musliminnen und Muslimen werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen ihrem und unserem Glauben sichtbar. Das lernbereite und respektierende Hinhören gibt uns die Möglichkeit, sowohl den Glauben unserer muslimischen Nachbarinnen und Nachbarn besser zu verstehen, als auch zu unserem christlichen Glauben neue Zugänge zu gewinnen. Es ist hilfreich für unser eigenes Glauben, uns in diesen Begegnungen infrage stellen zu lassen.

Wir bitten die Gemeinden der Evangelischen Kirche in Württemberg, zu Moscheegemeinden in ihrer Nachbarschaft Kontakt zu suchen oder bestehende Beziehungen zu vertiefen. Ebenso bitten wir die Dienste, Werke und Einrichtungen, den christlich-islamischen Dialog zu den Themen unserer Zeit zu führen. Entsprechende, auch gemeinsam mit Musliminnen und Muslimen veranstaltete Fortbildungsangebote halten wir für unerlässlich. Im Dialog sollen wir uns als Christinnen und Christen kenntlich machen und erzählen, welche Bedeutung der Glaube in unserem Leben hat. So wollen wir den Glauben an den dreieinigen Gott bezeugen. Genauso ist es uns wichtig, wahrzunehmen, wie Musliminnen und Muslime ihren Glauben bezeugen und ihm Gestalt geben. Religiöse Praxis halten wir bei gemeinsamen Veranstaltungen für möglich, wenn die Eigenart der jeweiligen Religion gewahrt und erkennbar bleibt. Begegnungen zwischen Menschen islamischen und christlichen Glaubens setzen die wechselseitige Bereitschaft voraus, sich auf Unbekanntes und Andersartiges einzulassen. Gelingender Dialog ist nicht selbstverständlich. Auch Krisen in einer christlich-muslimischen Begegnung, wie in anderen menschlichen Begegnungen auch, können neue Zugänge zum Anderen und zu sich selbst eröffnen. Zum Dialog gehören auch wechselseitige kontroverse Anfragen wie Schriftverständnisse und Interpretationsmethoden, Fremdenfeindlichkeit, Geschlechtergerechtigkeit, Rechte und Schutz von Minderheiten, religiös motivierte Gewalt oder Fundamentalismus. In der oberflächlichen öffentlichen Wahrnehmung wird das Bild des Islam durch terroristische Anschläge belastet, die missbräuchlich im Namen des Islam verübt werden. Darunter leiden auch die Musliminnen und Muslime in unserer Nachbarschaft. Unter den Opfern sind MuslimInnen und NichtmuslimInnen. Die überwiegende Mehrheit der Menschen islamischen Glaubens distanziert sich in aller Deutlichkeit vom Missbrauch ihrer Religion durch eine fanatisierte Minderheit. Mit ihnen begrüßen wir es, wenn der Staat im Rahmen der rechtsstaatlichen Ordnung geeignete Maßnahmen zum Schutz vor Terrorismus ergreift. Einem Generalverdacht gegenüber Musliminnen und Muslimen angesichts terroristischer Anschläge treten wir entschieden entgegen. Mit unseren muslimischen Nachbarinnen und Nachbarn widersetzen wir uns jeder Form von Antisemitismus bei uns und weltweit.

Wenn wir im gegenseitigen Respekt den Dialog suchen, das gegenseitige Kennenlernen und Lernen pflegen und uns mit unseren muslimischen Nachbarinnen und Nachbarn für gemeinsame Anliegen einsetzen, fördern wir das Gemeinwohl. Die Unterschiede zwischen unseren Religionsgemeinschaften werden dadurch nicht verwischt. Mit dem christlich-islamischen Dialog leisten wir einen Beitrag zu dem Frieden, zu dem wir als Christinnen und Christen durch das Evangelium berufen sind.
20.05.2006