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AMOS-Preis Ausschreibung 2017

zur aktuellsten Ausgabe der OK-Zeitung

 

 

AMOS-Preis 2017

"Wenn wir den Namensstifter unseres Preises, den Propheten Amos, heute hier begrüßen könnten, würde er vielleicht ernüchtert feststellen, dass sich in den rund 2800 Jahren, die zwischen ihm und uns liegen, zwar viel Äußerliches, aber im Zusammenleben der Menschen nicht viel Grundlegendes geändert hat.  

Damals lebte Israel in Frieden und Wohlstand, Handel und Wirtschaft blühten, an den religiösen Heiligtümern wurden aufwendige Opfer gebracht. Großzügig übersahen die Reichen Korruption und soziale Ungerechtigkeit. Amos übersah sie nicht. Auf den Straßen begegneten Amos ..... " 

... so begrüßte die Vorsitzende der OFFENEN KIRCHE und der Jury des AMOS-Preises, Pfarrerin Erika Schlatter-Ernst die Preisträgerinnen und Gäste bei der Verleihung des AMOS-Preises 2017.

Begrüßungsrede der OK-Vorsitzenden Pfrin. Erika Schlatter-Ernst bei der Verleihung des AMOS-Preises 2017 in Stuttgart (pdf, 3 Seiten)

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Foto: R. Lück

Die Laudatorin Dr. Ellen Ueberschär in ihrer Rede für Dekanin Christiane Quincke anlässlich der AMOS-Preisverleihung 2017:

"Provokativ und staatsgefährdend sind die Worte des Amos.
Provokativ und demokratieerhaltend sind die Worte von Christiane Quincke.

Amos, der erste Chosä, Seher, dessen Worte in einem Buch gesammelt wurden, ist ein Radikaler. In der Systematik der Alttestamentlichen Wissenschaft unter die Unheilsprofeten gezählt.
Eine Unheilsprofetin ist Christiane Quincke auch. Sie ist es für die Menschenverächter, für die Schlußstrichzieher, für Ausländerfeinde und alle, die sich breitmachen wie zu Amos Zeiten die Basanskühe, die nur auf ihren eigenen Wohlstand bedacht sind.
Amos tritt lautstark auf. Er ist von keinem Selbstzweifel an seiner Sendung geplagt. Christiane Quincke kennt auch die leisen Töne. War es richtig, so deutliche Worte zu sprechen? War es richtig, am Tag der Erinnerung an die Stadtzerstörung die Pforzheimer Bevölkerung an die eigene Verstrickung in dem Nationalsozialismus zu erinnern?

Der Amos-Preis zeichnet Menschen aus, die das Wort ergreifen, die auf die Stärke und die Wirksamkeit des gesprochenen Wortes vertrauen. ...."

Laudatio von Dr. Ellen Ueberschär für Dekanin Christiane Quincke anlässlich der AMOS-Preisverleihung 2017

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Fotos: M. Hestermann

Rede der Preisträgerin Dekanin Christiane Quincke:

"Der Herr nahm mich von der Herde und sprach zu mir: Geh hin und weissage meinem Volk Israel!" (Amos 7,15)
Das hat Amos sich aufgeschrieben, damit er es nicht vergisst. Vor allem, wenn er sich fragt:
Wie bin ich da nur hineingeraten - in diesen Schlamassel? 
Mir ist diese Frage sehr vertraut. Spätestens seitdem ich am 23. Februar 2014 auf einem Übertragungswagen stand. 23. Februar - der Gedenktag zur Zerstörung Pforzheims am Ende des Krieges. Ein Tag, der - wie in Dresden - auch von Rechtsextremen missbraucht wird. Gegen diese Rechten demonstrierten mehrere 100 Menschen. Und vor den Demonstrierenden hielt ich eine Rede.

v.l.: E. Schlatter-Ernst, C. Quincke; Fotos: M. Hestermann

Da bin ich in was hineingeraten….
"Pforzheim war keine unschuldige Stadt." Im Netz und in den Zeitungen hängt dieser Satz an mir wie mit Kleister. Mir war zwar vorher klar: Ich mache mich unbeliebt. Viele wollen das nicht hören. 
Aber ich hätte nicht geglaubt, dass dieser Satz so viel Wut und Hass freisetzen würde. Und dass mich deswegen viele in die Wüste schicken wollen, zumindest raus aus Pforzheim. 

Aber ich hätte damit rechnen müssen: Gut 20 Jahre zuvor   ....."

Rede der Preisträgerin Dekanin Christiane Quincke anlässlich der AMOS-Preisverleihung am 12.3.2017 in Stuttgart

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"Das FIZ ist eine Beratungsstelle für Migrantinnen. Wir arbeiten zu verschiedenen Themen und Schwerpunkten, unter anderem beraten wir Frauen, die Opfer geschlechtsspezifischer Verfolgung geworden sind. Im Jahr 2016 konnten wir insgesamt 102 Betroffene von Menschenhandel beraten. 74 befanden sich im Asylverfahren, ein Großteil von ihnen stammt aus Nigeria und dem westlichen Afrika.  ...

Viele Frauen kommen über Sozialarbeiterinnen, Kooperationspartner oder Ehrenamtliche oder nach einer Razzia der Polizei. Besteht weiter eine Gefährdungssituation, sorgen wir für sichere Unterbringung. Wollen die Frauen den Menschenhandel anzeigen, begleiten wir sie bei der Anzeige und im Strafverfahren und unterstützen sie beim Asylverfahren. Ein großer Teil unserer Arbeit ist die Krisenintervention und die psycho-soziale Beratung.  ...
Viele der Betroffenen sind gläubige Christinnen. Ihr Glaube an Gott, Jesus und den Heiligen Geist muss als Ressource gestärkt werden, um zu einem religiösen Gegengewicht zu werden. ... Voodoo arbeitet mit viel Angst. Dem setzen wir entgegen, dass niemand von Gott verfolgt und bestraft wird. ...."

Laudatio-Interview von Jessica Schukraft und Iyen Jobs, durchgeführt von Dr. Gabriele Mayer

v.l.: E. Schlatter-Ernst, Jessica Schukraft, Iyen Jobs
v.l.: G. Mayer, Iyen Jobs, Jessica Schukraft; Fotos: M. Hestermann
Foto: M. Hestermann

Der Schirmherr des AMOS-Preises, Professor Dr. Erhard Eppler, konnte diesmal aus gesundheitlichen Gründen nicht kommen. Marc Dolde vom Stiftungsrat dankte an seiner Stelle den Menschen, die Klartext reden.
Er dankte auch Roland Helber, dem Geschäftsführer des AMOS-Preises, für seinen erneuten Einsatz. Dr. Waltraud Bretzger überreichte ihm ein kleines Geschenk des Stiftungsrates.
Besonderen Applaus erhielt der afrikanische Frauen-Gospelchor.

AMOS-Preis 2017

Christiane Quincke
Jessica Schukraft
Iyen Jobs

Dekanin Christiane Quincke aus Pforzheim erhält AMOS-Preis für Zivilcourage, das Fraueninformationszentrum Stuttgart erhält den Sonderpreis. 
Die Preisverleihung findet am Sonntag, 12. März 2017 in der Stuttgarter Erlöserkirche statt. Die Laudatio hält Ellen Ue
berschär, Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags.

Die OFFENE KIRCHE, eine evangelische Vereinigung in der württembergischen Landeskirche, verleiht alle 2 Jahre einen Preis für Zivilcourage an Menschen, die in besonders eindrücklicher, prophetischer Weise die freimachende und Gerechtigkeit herbeisehnende Botschaft der Bibel weitergeben. Der Preis ist mit 3.000.-- Euro dotiert. Schirmherr ist Prof. h.c. Dr. Erhard Eppler. 

Für ihr Engagement gegen Rechtsextremismus und rechte Umtriebe, die auch und gerade heute wieder in Pforzheim und in anderen deutschen Städten zu beobachten sind, für ihr widerständiges und furchtloses Handeln erhält Christiane Quincke diesen Preis. Sie scheut sich nicht davor anstössig zu wirken und Widerspruch zu erzeugen, da sie sich als Christin dazu verpflichtet sieht, gegen die Abwertung und Missachtung von Menschen, hörbar ihre Stimme zu erheben. "Als Christin bin ich dazu verpflichtet", sagt Quincke, "es ist mein Glaube und meine Grundüberzeugung als Christ, mich für die Schwachen einzusetzen und den Mund für die Stummen aufzutun". Deswegen setzt sie sich auch für Flüchtlinge und Asylbewerber ein. In der Tradition von Martin Luther King fordert sie, Träume von Frieden und Gerechtigkeit zu leben und den Albträumen von Nazis und Terror gegen Menschen entgegenzusetzen. 
Dies hat ihr zahlreiche Anfeindungen von verschiedenen Seiten eingebracht: man warf ihr vor politisch zu agieren und ihr Kirchenamt zu missbrauchen. "Man macht sich keine Freunde, wenn man die Dinge beim Namen nennt", sagt Quincke. 
Durch ihr Vorbild andere anzustiften, sich im prophetischen Geist für eine gerechte und Gott gemäße Welt einzusetzen und auch persönliche Nachteile für ihr Engagement in Kauf zu nehmen hat sie den AMOS-Preis erhalten, der am 12. März 2017 in einer feierlichen Veranstaltung in der Erlöserkirche in Stuttgart verliehen wurde. 

Den Sonderpreis erhalten Jessica Schukraft und Iyen Jobs vom Fraueninformationszentrum Stuttgart für ihren Einsatz gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution. Schukraft ist Sozialarbeiterin und Diakonin, Jobs ist nigerianische Seelsorgerin.
Die Jury des AMOS-Preises befand diese Arbeit für innovativ und einmalig. Neben der psycho-sozialen Betreuung der betroffenen Frauen wird in Form einer interkulturellen Zusammenarbeit auch eine seelsorgerische Begleitung angeboten. Durch die gemeinsame Begleitung beginnt bei den Betroffenen ein Prozess der Heilung, so dass sie wieder selbständiger und frei von Angst ihr Leben führen können.
Diese spezielle Form der Zusammenarbeit und Begleitung von westafrikanischen Frauen hat die Jury des AMOS-Preises mit einem Sonderpreis ausgezeichnet, um diesen unschätzbaren wertvollen Dienst, der ohne viel Aufhebens geschieht, einer breiteren Öffentlichkeit sichtbar zu machen.

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Afrikanischer Frauen-Gospelchor
E. Schlatter, J. Schukraft, I. Jobs
Blick in die Ev. Erlöserkirche
Fotos: M. Hestermann, E. Braun, R. Lück