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AMOS-Preis-Verleihung 2019

zur aktuellsten Ausgabe der OK-Zeitung

 

 

Mehr Inhalt, mehr Vielfalt, mehr Biss - das OK-Wahlprogramm 2007

Sie können das Wahlprogramm 2007 der OFFENEN KIRCHE hier lesen und ausdrucken – allerdings ohne die Illustrationen des Orginalflyers. Sie können sich hier aber auch das vollständige Wahlprogramm-Faltblatt als pdf-Datei aufrufen:

OK-Wahlprogramm 2007 (pdf, 5 Seiten)

OK - bestimmt offen

Offene Türen laden ein. Wenn Sie in die Kirche gehen, freuen Sie sich, wenn das Eingangstor offen steht und Sie willkommen sind. Dafür setzt sich die OFFENE KIRCHE seit über dreißig Jahren in der Evangelischen Kirche in Württemberg ein. Sie sorgt dafür, dass es mehr Inhalt und Qualität in der Theologie, mehr Vielfalt und Argumente in der Diskussion, mehr Biss und Niveau in der württembergischen Kirchenpolitik gibt.

OK - offen für Sie, für Dich und für mich

Eine Kirche für Menschen wie Sie, wie Dich und mich – das ist unser Ziel in der OFFENEN KIRCHE. Eine Kirche, wie wir sie uns vorstellen, hat offene Türen für Junge und Alte, Frauen und Männer, Fromme, Suchende und Zweifelnde. Alle sind willkommen! Denn wir sind überzeugt: „Wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit“ (2. Korinther 3, 17).

OK –sensibel, mutig und prophetisch

Wir leben in einer Zeit gesellschaftlichen Umbruchs. Das jahrzehntelang sicher geglaubte soziale Netz hat Löcher bekommen. Immer mehr Mobilität und Flexibilität wird von uns gefordert. Immer weniger Frauen und Männer können verlässlich für sich und ihre Familien planen, weil sie nicht sicher sein können, ob ihr Arbeitsplatz in absehbarer Zeit nicht verlegt oder gar wegrationalisiert wird.

In solchen Zeiten kommt es darauf an, einen Ort zu haben, der einem vertraut ist, eine Gemeinschaft, auf die man sich verlassen kann. Ihre Evangelische Kirche ist eine solche Partnerin und ein solcher Ort. Hier werden Sie geschätzt und können sich auch einbringen. Hier finden Sie Verlässlichkeit und Kontinuität. Hier gibt es eine lange Tradition der verantworteten Verkündigung des Evangeliums Jesu Christi.

OK –evangelisch, biblisch fundiert und zuverlässig

Evangelische Kirche steht aber auch dafür, in dieser Situation des gesellschaftlichen Umbruchs die Wahrheit des Wortes Gottes zu suchen und in einer lebendigen Diskussion neue Schritte zu wagen. Schritte, die notwendig sind, wenn die Veränderungen in unserer Gesellschaft nach neuen Antworten verlangen.

Wir wollen, dass sich unsere Kirche den wesentlichen Fragen ihrer Mitglieder stellt und gemeinsam mit ihnen nach geeigneten Lösungen sucht. Dies kann nur in einem offenen Gespräch geschehen.

OK – bestimmt nicht fundamentalistisch

Scheuklappen sind dafür nicht hilfreich. Starre, dogmatische Werteordnungen ohne Rücksicht auf die konkreten Lebensbedingungen verhindert lebendige Formen des Miteinanders.

Der Fundamentalismus ist nicht nur ein Problem anderer Religionen. Auch das Christentum ist davon bedroht. Statt die befreiende Botschaft des Evangeliums zu verkündigen, igeln sich christliche Fundamentalistinnen und Fundamentalisten in ihren engen Gedankengebäuden ein. Sie verdammen alles, was nicht in ihr einseitiges Weltbild passt. Unkenntnis paart sich dabei oft mit reaktionären, erzkonservativen Vorstellungen. Andersdenkende werden angefeindet oder gar bedroht.

Uns ärgert,

  • wenn auch in unserer Kirche die Auslegung der Bibel verkürzt wird, offenkundig schwierige Bibelstellen verschwiegen, andere aber aus dem Zusammenhang gerissen und formelhaft wiederholt werden
  • wenn auch in unseren Gemeinden Andersgläubige herabgesetzt werden und Andere nicht anders sein dürfen
  • wenn evangelikale Engführungen in der Theologie zu Verbohrtheiten gegenüber Zweifelnden und vorsichtig nach evangelischer Freiheit Suchenden führen
  • wenn von unserer Synode außer- und innerkirchliche evangelikale Parallelstrukturen gestärkt werden, die sich nicht eindeutig vom Fundamentalismus abgrenzen
  • wenn Gesinnungsgemeinden toleriert werden, die sich von der Landeskirche separieren
  • wenn unsere orts- und menschennahen Gemeinden in ihrer Vielfalt nicht wahrgenommen und die gewählten Kirchengemeinderäte von (neo-)evangelikalen Gruppierungen übergangen und ihre Arbeit ausgehöhlt werden
  • wenn in der Synode eine evangelikale Parallelstruktur in der Seelsorgeausbildung angestrebt wird
  • wenn die Evangelische Akademie Bad Boll in der Synode oft kritisiert und ihr statt Vertrauen für das schwierige Gespräch zwischen Kirche und gesellschaftlichen Gruppen Misstrauen entgegengebracht wird
  • wenn unsere Synode zwar den Problemen unserer Welt stellt, dann aber nicht die Kraft findet, ein mutiges, weiterführendes Wort zu sagen, das die Menschen nicht bevormundet, sondern ihnen zu eigenen tragfähigen Entscheidungen hilft

Dem will die OFFENE KIRCHE in unseren Gemeinden und unserer Landeskirche ein anderes Modell entgegensetzen.

Stattdessen: Gott loben – Gesicht zeigen – Gerechtigkeit üben

Gott loben,

das heißt für uns: frei und offen als Gottes Kinder leben in der Freude an neuen und alten Formen der Spiritualität.

Gesicht zeigen,

das heißt für uns: deutlich für das Evangelium der Freiheit in der Öffentlichkeit eintreten, gegen Diskriminierung und Fundamentalismus.

Gerechtigkeit üben,

das heißt für uns: im Namen Jesu immer wieder neu die Brücke zu den Benachteiligten schlagen.

Statt eines „Kampfes der Kulturen" oder eines „Kampfes der Religionen" wollen wir die Begegnung der verschiedenen Kulturen und Religionen in unserer Gesellschaft vorantreiben. Eine offene Kirche weiß um ihr eigenes Fundament und kann sich im Vertrauen darauf angstfrei auf den Dialog mit den Anderen einlassen. Daher geben wir auch das Gespräch mit fundamentalistischen, neo-evangelikalen und evangelikalen Brüdern und Schwestern im Glauben nicht auf. Uns leitet dabei die Einsicht, dass jede wirkliche persönliche Glaubensentwicklung Zeit benötigt. Alles, was wächst, wächst langsam. Glaube bewährt sich schließlich.

Uns liegt daran,

  • dass unsere Gemeinden für alle Christinnen und Christen zur Heimat werden, nicht nur für bestimmte Gruppen
  • dass wir uns von der Bibel nicht nur bestätigen, sondern auch in Frage stellen lassen
  • dass wir in der Kirche wahrnehmen was uns trennt und verbindet, dass wir miteinander Wege und Lösungen suchen und uns nicht gegenseitig den rechten Glauben absprechen
  • dass unsere Kirche sich nicht auf den Horizont des eigenen Kirchturms beschränkt, sondern ihren Dienst in ökumenischer Weite und Offenheit tut, ohne Angst vor anderen Glaubensweisen und Religionen
  • dass wir mutig und prophetisch gesellschaftliche und politische Konsequenzen aus unserem Glauben vertreten, uns selbst einsetzen und solidarisch erklären, wo immer Christinnen und Christen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung eintreten

 

Gott loben

Wir wollen eine Kirche,

  • in der Menschen gemeinsam auf dem Weg des Glaubens sind mit ihren Zweifeln und Fragen,
  • in der spürbar ist, dass Gott Lebensmut schenkt weil Gott Liebe ist,
  • in der die Vielgestaltigkeit Gottes neu entdeckt wird,
  • die die Bibel als Ur-Kunde des Glaubens, als Quelle der Weisheit und Hilfe zum Leben versteht, ohne die geschichtliche Einbindung, Vielstimmigkeit und Widersprüchlichkeit biblischer Glaubenszeugnisse zu übersehen;

Wir wollen eine Kirche,

  • die die Freiheit des heiligen Geistes lebt und protestantische Vielfalt nicht als Risiko scheut, sondern als Reichtum schätzt,
  • die das Gespräch mit Menschen unterschiedlicher Spiritualität sucht und fördert,
  • die sich den Fragen und geistigen Bewegungen der Zeit stellt und keine Angst hat, sich hinterfragen zu lassen,
  • in der der Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaft geführt wird,
  • die demokratische Beteiligung will und dafür Strukturen schafft für mehr Mitwirkung, Transparenz und Akzeptanz,
  • in der Raum ist für unterschiedliche Wege des christlichen Glaubens ohne in Fundamentalismus abzugleiten;

 

Gesicht zeigen

Wir wollen eine Kirche,

  • die offen ist für die Vielfalt der Menschen und Lebensformen, die die daraus erwachsenden Zumutungen akzeptiert, weil sie in ihnen eine Bereicherung sieht,
  • in der Familie da ist, wo Kinder sind und Generationen zusammenleben,
  • die Veränderungen der gesellschaftlichen Wirklichkeit wahrnimmt und sich ihnen stellt,
  • die Menschen mit Behinderungen nicht nur betreut, sondern mit ihren Möglichkeiten ernst nimmt,
  • in der Platz für alle Generationen ist,
  • in der die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare selbstverständlich möglich ist;

Wir wollen eine Kirche,

  • die sich für Toleranz einsetzt,
  • die mehr ist als sich selbst genügende Kerngemeinde,
  • die sich zusammen mit anderen, etwa mit Nachbargemeinden, über den Kirchturm hinaus sieht und das als Bereicherung erfährt,
  • die bewusst Volkskirche als Kirche aller Kirchenmitglieder ist;

Wir wollen eine Kirche,

  • für die praktizierte Ökumene und der Dialog mit anderen Religionen in vollem gegenseitigen Respekt und Deutlichmachen der eigenen Position Bestandteile und Bereicherung des Kirche-Seins sind,
  • die die weltweiten Entwicklungen im Blick hält und um die wachsende Bedeutung von Gerechtigkeit und Solidarität weiß,
  • für die der Dialog mit unseren nicht-christlichen Nachbarn, vor allem den Musliminnen und Muslimen, zum gesellschaftsdiakonischen Auftrag der Gemeinden gehört;

 

Gerechtigkeit üben

Wir wollen eine Kirche,

  • die ihren diakonischen Auftrag dort wahrnimmt, wo andere nicht hinkommen oder sich zurückziehen, und in der alle Hilfsbedürftigen eine Anlaufstelle finden können,
  • die sich in der Nachfolge Jesu auf die Seite der Schutzlosen, Ausgegrenzten und Benachteiligten stellt und für sie hörbar ihre Stimme erhebt,
  • die nicht den neoliberalen Kurs unterstützt, also keine Freiheit für wenige, sondern Freiheit für alle anstrebt,
  • die deshalb die diakonischen Bezirksstellen, Beratungsstellen und Sonderpfarrämtern an den Brennpunkten der Gesellschaft, zum Beispiel in Krankenhäusern und Gefängnissen, bei der Polizei und in der Arbeitswelt nicht abbaut, sondern stärkt,
  • die ihren gesellschaftsdiakonischen Auftrag zuverlässig wahrnimmt und Klartext redet,
  • die auf eine Diakonie hinwirkt, die angesichts des Wettbewerbs weiterhin ihrem diakonischen Auftrag gerecht werden kann,
  • die sich dafür einsetzt, dass das Problem der Arbeitslosigkeit als sozialer Skandal unserer Zeit angeprangert wird;

Wir wollen eine Kirche,

  • die ressourcengerechtes ökologisches Handeln nicht als das Anliegen einiger weniger sieht, sondern als Auftrag Gottes für die ganze Kirche mit all ihren Einrichtungen,
  • die geduldig und hartnäckig das Prinzip der Nachhaltigkeit realisiert;

Wir wollen eine Kirche,

  • für die Geschlechtergerechtigkeit ein zentrales Anliegen ist,
  • die Frauen in Leitungsämtern will und nicht nur duldet,
  • die selbstbewusst die Frauenordination als biblisch-evangelisch in der Ökumene der christlichen Kirchen vertritt und einfordert;

Wir wollen eine Kirche,

  • die ihre Bildungsverantwortung in Gemeinde, Schule und Gesellschaft wahrnimmt,
  • die das Engagement für Kinder und Jugendliche verstärkt,
  • die Menschen in ihrem Glaubensverständnis begleitet,
  • die Mündigkeit und Beteiligung fördert;

 

OK - bestimmt offen.

Die OFFENE KIRCHE wird sich in der kommenden Synodalperiode von 2007 bis 2013 bestimmt einsetzen:

  • für Gottesdienste, die befreien und trösten, Hoffnung und Mut machen – das Herzstück evangelischer Spiritualität,
  • für lebendige Vielfalt und Freiheit im Denken und Glauben,
  • für das Gemeinsame in unserer Landeskirche,
  • dass der Sonntag als Unterbrechung des Alltags, als Tag der Ruhe, der Feier, des Spiels und der Gemeinschaft prinzipiell arbeitsfrei bleibt,
  • für eine tolerante Kirche, die die Vielfalt der Lebensstile und Lebensformen als Reichtum schätzt,
  • dass das Ehrenamt gefördert und attraktiv gestaltet wird. Fortbildungen sollen auf allen Ebenen kirchlicher Erwachsenenbildung angeboten werden. Das Geld ist dafür bereitzustellen,
  • für evangelische Bildung, die das ganze Leben begleitet – in Kindergärten und Schulen, in den Gemeinden und an den Bildungseinrichtungen der Landeskirche – und dadurch Menschen zur Freiheit fähig macht,
  • dass auf allen Ebenen das Gemeinsame der Konfessionen betont wird bis hin zum gemeinsamen Religionsunterricht,
  • dass Kirche weiterhin durch ihre diakonischen Angebote in der Gesellschaft präsent bleibt,
  • dass die Begegnungen zwischen Juden, Jüdinnen, Christen, Christinnen, Moslems und Musliminnen in vollem gegenseitigen Respekt gepflegt und vertieft werden,
  • dass der interreligiöse Dialog in unserer globalisierten Welt ohne Scheu geführt wird,
  • dass kirchliche Gebäude nach ökologischen Kriterien nachhaltig saniert werden,
  • dass kirchliche MitarbeiterInnen und Gemeinden zu umweltgerechtem Verhalten motiviert werden,
  • dass Pfarrerinnen und Pfarrer von organisatorischen und administrativen Tätigkeiten durch haupt- oder nebenamtliche Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer entlastet werden,
  • dass die Kirche in der Ausbildung für gesellschaftlich und diakonisch wichtige Berufe präsent bleibt,
  • dass die Entwicklungszusammenarbeit der Kirchen nachhaltig gefördert wird,
  • dass tarifvertragliche Lösungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Diakonie und Kirche gefunden werden,
  • dass Frauen gezielt in kirchenleitende Funktionen kommen,
  • dass Frauen und Männer in kirchlichen Gremien zu jeweils mindestens 40 Prozent vertreten sind,
  • dass die kirchliche Frauenbeauftragte bei Stellenbesetzungen und der Erstellung der Bewerberlisten ein Widerspruchsrecht bekommt,
  • dass die Kirche das Gespräch mit gesellschaftlich wichtigen Gruppen wie Gewerkschaften, Arbeitgebern und Kulturschaffenden sucht;

 

Das ist die OFFENE KIRCHE:

Tragende Kraft einer evangelischen Kirche,
die die Zukunft gewinnen will –
fern von all denen, die Zukunftsängste schüren!