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Avraham Burg: Hitler besiegen

Avraham Burg, „Hitler besiegen. Warum Israel sich endlich vom Holocaust lösen muss“, Campus Verlag: Frankfurt a. M./New York 2009, 280 S., € 22,90.

Zahlreicher werden die Menschen, die als Deutsche nicht länger an die Judenvernichtung erinnert werden wollen.  Es ist wahrscheinlich, dass Täter und ihre Nachkommen ein kurzes Gedächtnis haben. Diese sollten sich nicht auf dieses Buch berufen. Burg hat Vorfahren, die im Holocaust umgebracht wurden. Gleichwohl meint er, dass die Fixierung des heutigen Israel auf die Shoa den Weg in eine friedlichere Zukunft verbaut. Wer sich immer nur als Opfer versteht, hat kein Verständnis  für seine Gegner und unterschätzt die Chancen von Verständigung. So erklärt Burg die zunehmende Militarisierung des israelischen Staates und die Blindheit für das Leiden anderer.
Das Buch fasziniert aber weniger durch seine oft gewagten Thesen, sondern vor allem durch die Mischung von Analyse und persönlicher Biografie.  So schildert er die Politik seines Vaters Josef Burg, der Minister in mehreren Regierungen war. Die Auseinandersetzung mit diesem Vertreter einer nationalreligiösen Partei ist für seinen Lebensweg bestimmend. Der Sohn Avraham hingegen engagiert sich in der israelischen Friedensbewegung „Peace Now!“, war Berater von Shimon Peres, Abgeordneter der Arbeiterpartei und Sprecher der Knesset, des israelischen Parlaments. 2004 zog er sich aus der aktiven Politik zurück.
In diesem nicht sehr systematischen Buch, das assoziativ von einem Thema zum nächsten springt, fällt neben den politischen und persönlichen Einsichten die religiöse Frage auf. Burg sucht nach einem Judentum, das sich von der Last der Geschichte befreit und universell statt „genetisch“  ausgerichtet ist.
Insgesamt bietet Burg einen eindrucksvollen Einblick in  innerisraelische Debatten, die wir Deutsche nur mit viel Einfühlungsvermögen und weniger Besserwisserei betrachten sollten.

Autor: Wolfgang Wagner, Pfarrer und Studienleiter 
wolfgang.wagner@ev-akademie-boll.de