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Die Berichte zu den Jahresversammlungen der vergangenen Jahre finden Sie unter den folgenden Stichworten:

  • Mitgliederversammlung 2010
  • Mitgliederversammlung 2009
  • Mitgliederversammlung 2008
  • Mitgliederversammlung 2007
  • Mitgliederversammlung 2006
  • Mitgliederversammlung 2005
  • Mitgliederversammlung 2004
  • Mitgliederversammlung 2003
  • Mitgliederversammlung 2002

 


 

 Mitgliederversammlung am 27. März 2010

Prof. J. Cornelius-Bundschuh Der Vormittag der diesjährigen Jahresversammlung der OK gehörte dem Vortrag von Professor Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh, Kirchenrat der Badischen Landeskirche, der zum Thema „Glauben ins Leben ziehen – Kirchenreform: Was müsste wachsen und wie sollte es wachsen?“ sprach. Nach einer Bestandsaufnahme der kirchlichen Lage und Klärungsversuchen, was Kirche ist, machte er Mut, Konflikte ernst zu nehmen, aber nüchtern und gelassen nach Lösungen zu suchen. „Es gibt nicht nur einen Pfad, sondern immer drei.“ Man solle sich nichts einreden lassen, sondern den Blick für alle Aspekte weiten Blick in den Versammlungsraum und schauen, was am besten läuft.

Am Nachmittag berichtete die Vorsitzende Kathinka Kaden über das vergangene Jahr (siehe PDF-Datei). Auch verschiedene Synodale stellten ihre Anträge in der Landessynode vor und die Arbeit dort. Am meisten erboste sowohl Synodale als auch Mitglieder, dass die Präsidentin die gerade erst eingeführte Aktuelle Stunde im Alleingang abgebügelt hatte. Nach dem Geschäftsbericht 2009 und dem Haushaltsplan 2010 des Rechners Gunter Kaden wurde eine Erhöhung des Mitgliedsbeitrages beschlossen.

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Mitgliederversammlung am 28. März 2009

Zur diesjährigen Mitgliederversammlung hatten wir Gäste, die unsere Gedanken auf die Sprache in der Kirche lenkten - Sprache, die auch Fakten nach sich zieht.

Bärbel Wartenberg-Potter Bärbel Wartenberg-Potter, bis vor kurzem Bischöfin in Lübeck, hielt ihren Vortrag „Geschlechtergerecht genug? Zur Zukunft der Kirche“, in der sie eine Kirche zeichnet, die Männern und Frauen geistliche Heimat bietet und die wir lieben können. Sie stellte allerdings auch unbequeme Fragen, zum Beispiel: „Was brauchen wir, um Kirche zu sein? - Einen Tisch, Brot und Wein und das Wort Gottes.“ Das Wachstumsdenken sei nur scheinbar missionarisch. Wichtiger seien Fragen, wie „Sind wir noch brauchbar? Sind wir nahe genug bei den Menschen? Sind wir prophetisch? Sind wir evangeliumsgemäß? Haben wir eine Vision für die Menschen und die Zukunft der geschöpflichen Mitwelt?“ Bärbel Wartenberg-Potter sagte: „Kirche kann heute nur noch als Gemeinschaft gleichberechtigter Frauen und Männer stattfinden, wenn sie in der säkularen Welt nicht in große Erklärungsnöte kommen will. Sie muss auch in ökumenisch und in weltweiter Verbundenheit stattfinden. Den ganzen Text ihres Referats finden Sie hier.

Kathinka Kaden, Wartenberg-Potter. Dr. Schrupp Dr. Antje Schrupp, Theologin und Publizistin in Frankfurt, möchte eine gute Kirche, eine, die es Menschen ermöglicht, spirituelle Erfahrungen zu machen in einer materialistischen und vernunft-rationalistischen Welt. „Und natürlich liegt es doch wohl völlig auf der Hand, dass eine Kirche, die Frauen systematisch an einer selbstbewussten Beteiligung hindert oder krude Geschlechterklischees verbreitet, auf keine Fall eine gute Kirche sei. Sie hat so eine Kirche, die sie lieben kann, gefunden und arbeitet als Redakteurin einer kirchlichen Mitgliederzeitung. Für sie ist selbstverständlich, dass sie die inklusive Sprache benutzt, Frauenthemen prominent platziert und mindestens 50 Prozent der Meinungsartikel für Frauen freihält. Sie holt sich ihre Inspirationen aber auch in der Zusammenarbeit mit Musliminnen, Jüdinnen, Säkularen und Anhängerinnen heidnischer Spiritualität, die ernsthaft nach dem Willen Gottes suchen.
Auch Ihr Statement finden Sie als PDF-Datei hier.

MV März 2009 Anschließend ergab sich eine lebhafte Diskussion, in der gesagt wurde, dass Gott weder männlich noch weiblich ist, dass die Gottessprache eine große Baustelle sei und in der Bibel in gerechter Sprache viele Metaphern für den Gottesnamen „Ich bin da“ angeboten werden. Auch Jesus ist eher ein Bruder, ein Mensch, der so gelebt hat, wie es Gott gefällt - gewaltlos, mutig, menschlich. Was die Kirche in der Nachfolge daraus gemacht hat, sei der Sündenfall. Als Anita Gröh von ihrem Antrag zum Gendertraining in der Landessynode berichtete, der abgeschmettert wurde, ermutigte sie die Bischöfin i.R., es wieder zu probieren. So ein Gendertraining sei notwendig. Den Frauen würde immer vorgeworfen, sie wollten ein größeres Stück vom Kuchen. Dabei wollen sie einen anderen Kuchen. Auch die Journalistin Schrupp betonte, es müssten neue Strukturen geschaffen werden, die patriarchale Ordnung funktioniere nicht mehr. Posten seien wichtig, bei denen Frauen ihre Kompetenz einbringen können. Frau Wartenberg-Potter machte allerdings klar, dass man Strukturen erst verändern kann, wenn man drin ist. Und so lange brauche man ein robustes Nervenkostüm, denn die Männer haben bewährte Seilschaften. Zum Glück gibt es Männer, die Frauen unterstützen. Es wurde aber auch angemahnt, dass die Frauen ihre Möglichkeiten nun auch wahrnehmen müssten.

Am Nachmittag legte die Vorsitzende Kathinka Kaden ihren Jahresbericht vor. Eine große Diskussion entspann sich um das Wort zur Fastenzeit, das der Vorstand kurz vor der Frühjahrssitzung der Landessynode veröffentlicht hatte. Während etliche Mitglieder das deutliche Wort zum Gebaren der Evangelikalen richtig und notwendig fanden, fanden sie einige Synodale zu polemisch. Dass das Weihnachtsopfer in der Stiftskirche nicht an „Brot für die Welt“ ging, sondern mit dem vom zweiten Advent getauscht worden war, hielt die langjährige Synodale Margret Mayer ebenfalls für schlimm. „Wir müssen evangelikale Missionsprojekte hinterfragen und die KGRs informieren.“ Kathinka Kaden, Gunter Kaden, Albrecht Bregenzer Auch dass „Hilfe für Brüder“ ständig im Evangelischen Gemeindeblatt erscheint, findet sie nicht in Ordnung. Den Slogan „Wachsam sein“ aus Kathinka Kadens Geschäftsbericht wiederholten einige Mitglieder.

Der Geschäftsbericht des Rechners wurde beifällig aufgenommen. Der Vorstand wurde insgesamt entlastet.

Dann wurde der Vorstand neu gewählt. Nicht mehr zur Verfügung standen Albrecht Bregenzer, Dieter Hödl und Hiltraut Link, die herzlich verabschiedet wurden. Neu kandidierten Sabine Drecoll, Erich Haller, Hansjörg Kammerer und Ulrike Stepper. Wiedergewählt wurden die erste Vorsitzende Kathinka Kaden, der stellvertretende Vorsitzende Rainer Weitzel und Kassierer Gunter Kaden. Außerdem Cornelia Brox, Sabine Drecoll, Erich Haller, Renate Lück, Martin Plümicke, Michael Seibt und Ulrike Stepper.

Martin Plümicke berichtete, unterstützt von einigen Synodalen, von den Anträgen und Erfolgen in der Landessynode. Zwei Ausschüsse bereiten das Schwerpunkt-Thema „Arm und Reich“ für das kommende Jahr vor.

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Mitgliederversammlung am 1. März 2008

Es stürmte, regnete und schneite, hagelte und blitzte. Und trotzdem kamen sehr viele Mitglieder zur Jahresversammlung nach Stuttgart. Wer nicht kam, war Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter. Sie war um 4 Uhr von Lübeck nach Hamburg gefahren und rief um halb sechs bei Kadens an, um zu sagen, dass sie Schwierigkeiten mit dem Flug habe. An der Küste stürmte es noch schlimmer als im Süden. Sie versprach, den Besuch nachzuholen.

Mitgliedersammlung 2008 Die erste Mitgliederversammlung nach der Kirchenwahl im November 2007 stand noch ganz im Nachspüren des Wahlkampfes mit notwendigen Konsequenzen daraus, aber auch im Zeichen der Freude über den schwungvollen Start der neuen Synodalgruppe.

Die Vorsitzende Kathinka Kaden erinnerte noch einmal an die Wahlvorbereitungen mit dem Erstellen des basisdemokratisch abgestimmten Wahlprogramms und dankte den 49 Kandidierenden für ihren enormen Einsatz. Sie sprach auch die finanziellen Schwierigkeiten an, denn die Druckkosten seien seit 1995 von Wahl zu Wahl stets um 30 Prozent gestiegen. Da jede/r Wahlberechtigte ein Faltblatt bekommen musste, war die OK genötigt, für die fast eine Million Flyer 80.000 Euro zu zahlen. Für Anzeigen und andere Werbemittel konnte die Landes-OK bei weitem nicht so viel ausgeben, wie etwa die „Lebendige Gemeinde“, die sich auch noch einen hauptamtlichen Wahlmanager leisten konnte. Deshalb bezeichnete Kathinka Kaden den Wahlkampf als einen „mit wortwörtlich ungleichen Mitteln“.

So viel Geld durch Mitgliedsbeiträge (auch im Voraus) und Spenden aufzubringen, das sei ein Finanzrahmen, der in Zukunft nicht mehr möglich sein werde. Auch was die ehrenamtliche Arbeit von Kassierer und Geschäftsstelle - 2007 hat dies noch Reiner Stoll-Wähling gemacht - anbelangt, könne das der Vorstand kaum noch verantworten. Kathinka Kaden bezog sich auf die kirchliche Wahlordnung, in der in Paragraf 61, Absatz 2 steht: „Die Kosten für die Wahl zur Landessynode trägt die Landeskirche.“ In den Schlussbestimmungen wird der Satz noch einmal wiederholt. Deshalb sprach der Vorstand mit Bischof Frank Otfried July auf seiner Dezember-Sitzung darüber und stellte beim Oberkirchenrat einen Antrag auf Wahlkampfkostenerstattung. Oberkirchenrat Pfisterer antwortete zwar, dass Entschädigung von 750 Euro für die Kandidierenden genüge, aber das erbrachte ja noch nicht einmal die Hälfte der Druckkosten für die nötigen Faltblätter.

Mitgliederversammlung 2008 Aus diesem Grund bat der Vorstand Direktorin Margit Rupp und Kirchenoberrechtsdirektor Hans-Peter Duncker darum, eine Arbeitsgruppe einzurichten, um einmal deutlich zu machen, was die Gruppierungen für die Landeskirche leisten: Sie organisieren Veranstaltungen, um den Wahlberechtigten die Strukturen der Landeskirche und die Aufgaben der Synode zu erklären, sie suchen Kandidierende in den Bezirken und unterstützen sie durch Schulungen und die professionell gestaltete Faltblätter. Kurz: „Wir unterstützen als ehrenamtliche Organisation unsere Landeskirche darin, dass sie die Kirchenordnung einhalten und die Urwahl durchführen kann.“ Gefehlt habe auch eine kritische kirchliche Berichterstattung. Sie forderte und veröffentliche nur Selbstdarstellungen, keine Kommentare - entgegen der säkularen Presse.

Innerhalb der eigenen Reihen wird noch ausdiskutiert werden müssen, ob sich die OK als Partei versteht und „konstruktive Opposition“ (Zitat Weitzel) zum konservativen Block übt oder ob sie im Schulterschluss mit den anderen Gesprächskreisen die Landeskirche gestalten soll. Rainer Weitzel ist für Opposition, denn zwei Drittel der Entscheidungen in der Landessynode beträfen Sachfragen, die mit Jesus überhaupt nichts zu tun hätten. Im Übrigen versteht sich die OK schon immer - und im Wahlprogramm 2007 ist es wieder verankert - als biblisch fundierte und zuverlässige Partei und will „in dieser Situation des gesellschaftlichen Umbruchs die Wahrheit des Wortes Gottes suchen und in einer lebendigen Diskussion neue Schritte wagen.“ Albrecht Bregenzer brachte es auf den Punkt: „Der Gesprächskreis ist großartig in die Landessynode gestartet. Macht weiter so, dann ist mir um das Profil der OK überhaupt nicht bange!“

Der Geschäftsbericht der Vorsitzenden liegt als PDF-Datei vor.

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Mitgliederversammlung am 31. März 2007

Vortrag von Dr. Wolfgang Kessler: „Brauchen wir Alternativen zur Vollbeschäftigung?“

Am Vormittag diskutierte der Chefredakteur der „Zeitung kritischer Christen“, wie sie sich selbst nennt, mit Sozialpfarrerin Ester Kuhn-Luz und den OK-Mitgliedern über ein heißes Thema. Kathinka Kaden stellte den katholischen Christen aus Oberschwaben zunächst als ausgewiesenen Fachmann vor: Ökonom, Währungsexperte, Arbeit beim Internationalen Währungsfonds, bis er sich bei Ökonomiekünsten für Hungerkuren in Afrika missbraucht fühlte und ausstieg. Er wurde Journalist, natürlich Wirtschaftskritiker und Ökologe. Seit 1991 im persönlichen Großversuch, wirtschaftliches Fachwissen mit christlichen Idealen in Einklang zu bringen. Der volle Text des Vortrags von Dr. Kessler liegt hier als PDF-Datei vor.

Vier Schwerpunkte beleuchtete Dr. Kessler:

  1. Wo stehen wir beim Thema „Arbeit“?
  2. Was kann man konventionell tun?
  3. Was kann man darüber hinaus tun?
  4. Antwort auf die Eingangsfrage: Jein.

Dr. Kessler machte zunächst den Wechsel von Arbeit zu Rendite deutlich. Mit normalen Börsenrenditen von 25 Prozent gäben sich jetzt Hedgefonds nicht zufrieden, da fingen sie erst an zu sondieren. Deshalb schütze eine hohe Rendite eine Firma vor der (feindlichen) Übernahme. Deutschland sei zwar Exportweltmeister, trotzdem schließen Läden, weil viele Leute nichts kaufen können. Ihre Löhne seien 0,2 Prozent niedriger als vor 20 Jahren. Dazu kommt eine Konsumsättigung, etwa bei Kühlschränken. Die IT-Branche und die Umwelttechnik brummten zwar, doch die Arbeitsplätze werden in Billiglohnländer ausgelagert. Einzige Chance: Hochqualifizierte Fachleute werden gebraucht.

Der Staat baute ebenfalls 1,5 Millionen Arbeitsplätze (ein Drittel) ab, nicht gerechnet die mittlerweile privaten Betriebe Telekom und Die Bahn. Die neuen Anforderungen Flexibilität und Mobilität prägen den Markt. Besonders bitter ist die Arbeitssuche für Langzeitarbeitslose. Die Hälfte von ihnen hätte keine abgeschlossene Ausbildung. Ein Drittel brauchte Betreuung bei Handicaps (2 Millionen) und die neuen Arbeitsformen seien neue Ausbeutungsformen, so Dr. Kessler: Minijobs, befristete Arbeitsverträge und immer mehr Leiharbeit. Leiharbeiter verdienten ein Drittel weniger als Tariflohn. Selbst wer eine qualifizierte Ausbildung absolviert hat, finde keinen festen Arbeitsplatz - Stichwort: Generation Praktikum. Es gebe also Arbeitnehmer erster Klasse (mit festen Verträgen), zweiter Klasse in verschiedenen Formen und Arbeitslose.

Dass jetzt geburtenschwachen Jahrgänge nachrücken, bedeute nicht automatisch Vollbeschäftigung. Auch sie bekommen nur eine Arbeit, wenn sie die gesuchte Qualifikation haben. Betreuungsdienste würden zum Beispiel immer mehr gebraucht mit Anforderungen, die an die Grenzen des Menschseins gingen. „Kinder und Familien bleiben auf der Strecke“, so Kessler.

Statt Grundeinkommen Bildung fördern

Brauchen wir Alternativen zur Vollbeschäftigung? Der erste Schritt sei, die Instrumente zu nutzen, die es gebe. Ein Grundeinkommen nutze nichts. Der zweite Schritt sollten Alternativen sein, wie sie Nachbarländer vormachen. Denn Steuersenkung und Staatsschrumpfung nutze auch nichts, weil die Regierung dann kein Geld habe, die Leute zu stärken. Besser: Alle Einkommen zu besteuern, also Löhne, Gewinne, Vermögen, Erbschaften usw. mit dem Ziel, die Steuereinnahmen in die Zukunft zu investieren - in Forschung und Bildung. Die deutsche Wirtschaft habe viel verpasst. Viele Dinge seien in Deutschland entwickelt worden, werden aber nun von ausländischen Firmen genutzt, zum Beispiel umweltverträgliche Autos. Bei erneuerbarer Energie seien dagegen viele Arbeitsplätze entstanden.

Die Menschen müssten sich ein Leben lang (weiter-)bilden, und zwar alle. „Eliteförderung ist mir als Christ ein Dorn im Auge. Es wird auch den Abiturienten nicht gerecht“, sagte Wolfgang Kessler. Das Problem sei, dass Tausende von Kindern die Schule verlassen ohne richtigen Abschluss. Das habe schon vier Millionen Analphabeten erzeugt. Für Kinder und Jugendliche aus prekären Familien sei die Ganztagsschule das Beste.

Als dritte Strategie empfiehlt Dr. Kessler, die Löhne zu erhöhen und nicht alles in die Rendite der Firma fließen zu lassen. Die Löhne müssten im gleichen Maße steigen wie die Produktivität. Gewinnbeteiligung, Steuernachlass für Unternehmen mit Mitbestimmung und die Betriebsübernahme durch die Angestellten, wenn kein Nachfolger da ist, sollten gefördert werden.

Viertens: Entgegen starrer Tarifverträge, die kleinen Betrieben nicht entsprächen, appelliert Kessler für kreative Arbeitszeitverkürzung, etwa durch Elternteilzeit, Sabbathjahr, Überstunden abbauen durch Freizeit, Arbeit teilen zwischen Alten (die Erfahrung) und Jungen (neue Ideen). Damit könne man die Lage entspannen, aber das reiche noch nicht. Denn der technische Fortschritt werde weiterrasen und die Auslagerungen nach Osten und Süden auch. Dadurch werden die Arbeitsplätze in Deutschland weiter abnehmen und die Gesellschaft sich in Privilegierte und Hartz IV-Empfänger spalten.

Konzept Götz Werner zu allgemein

Auf der anderen Seite werde es immer mehr zu tun geben in Kindergärten und Altenheimen und bei Reparaturen. „Der dm-Chef Götz Werner schlägt deshalb ein Grundeinkommen von 800 Euro ohne Arbeit für jeden vor. Aber diese Vision überzeugt mich nicht“, sagt Wolfgang Kessler. Götz schlage zwei Formen der Bezahlung vor: Sozialleistung und eine Mehrwertsteuer zwischen 35 und 40 Prozent. Das hätte soziale Konsequenzen, weil es die Schwachen treffe. Und Sozialleistung für alle? 30 Millionen Menschen in Deutschland hätten genug Geld und brauchten das nicht.

Wolfgang Kessler befürwortet ein anderes Modell, ein differenziertes Grundeinkommen, das die Gesellschaft nicht spalte, aber mehr Gewinn bringe:

  • Soziale Sicherheit für alle.
  • Sicherung der Erwerbsarbeit
  • Förderung anderer Arbeitsformen in Familie, Bürgerarbeit und Pflege

     

Alle Sonderregelungen inclusive Bafög u.ä. sollten abgeschafft werden. Dafür sollten alle vom Finanzamt Geld erhalten, z.B. Erwachsene 700 Euro, Kinder 250 Euro. Weitere 250 Euro solle es geben für soziale Arbeit, die gegen die Einkommensteuer verrechnet werden sollte. Nur die, die wenig Erwerbsarbeit leisteten, sollten Bürgergeld erhalten. Kessler rechnet, dass dies nur eine Minderheit sein würde.

Der Vorteil sei, dass das Sozialsystem entbürokratisiert werde. Die Menschen wären nach unten abgesichert und die Erwerbsgesellschaft bliebe intakt. Denn wer arbeitet, verdient mehr. Es wäre auch leichter, die eigene Arbeitszeit zu verkürzen oder verschiedene Lebenskonzepte zu verwirklichen: Arbeit und Familie oder Arbeit und soziales Engagement. Das Bürgergeld käme vom Staat, der Milliarden an Sozialausgaben sparte. Statt Konsumsteuer (Mwst) liefere eine Wertabschöpfungsabgabe der Betriebe (Mensch und Maschine) die Mittel für das Bürgergeld. Das bedeute große Veränderungen, ist sich Dr. Kessler klar, aber es sei die Utopie für die Kreativität der Menschen für die Zukunft.

Es gab viele Nachfragen sowohl von Ester Kuhn-Luz als auch den ZuhörerInnen über das Grundeinkommen, das Für und Wider zur Lockerung des Kündigungsschutzes, die Demütigungen der Hartz IV-EmpfängerInnen und die Vor- und Nachteile der Globalisierung. „Afrika zählt zu den Verlierern“, weiß Kessler und: „Die Globalisierung läuft leider neoliberal. Das ist falsch. Man braucht auch Rahmenbedingungen für den internationalen Handel mit sozialen Bedingungen.“ Die Klimaprobleme müsste auch global gelöst werden. Es gebe viel zu diskutieren, fanden alle Beteiligten.
 

Die erste Mitgliederversammlung, die nach der neuen Satzung im Frühjahr stattfand, stand nicht nur im Zeichen des neuen Haushalts, sondern auch etlichen Personalswechsels.

Die Vorsitzende Kathinka Kaden dankte zunächst den zahlreich erschienenen Synodalen für ihr Bemühen, das Programm der OK gegen die konservative Mehrheit umzusetzen. Das sei oft mit großem persönlichen Mut verbunden. Obwohl der Gesprächskreis „Evangelium und Kirche“ meistens mit der Mehrheit der „Lebendigen Gemeinde“ stimme, gebe es Erfolge, so bei der Frühjahrssynode etwa die Schriftenreihe für eine kritische Kirchengeschichte, die Ablehnung der aus den USA kommenden Anti-Abtreibungsinitiative „Gehsteigberatung“ und den Beschluss, eine Million Euro der 50 Millionen mehr eingegangenen Kirchensteuern für Entwicklungshilfe-Projekte einzusetzen. Davor waren es die moderate Entschließung „Miteinander leben lernen - Evangelische Christen und Muslime in Württemberg“, das Veto gegen den Verkaufsaktionismus und die Standhaftigkeit gegen die so genannte „Seelsorgerliche Lebensberatung“ - eine evangelikale Parallelstruktur in der Seelsorge. Künftig wird es um die Innenstadtlösung kirchlicher Einrichtungen gehen, die viel Geld zu verschlingen droht. Hier sollten „Steine für Menschen“ nur dann verbaut werden, wenn sie den Menschen wirklich dienen, mahnte Kathinka Kaden.

Angesichts von über 40 neu für die Synode Kandidierenden unterstrich die Vorsitzende, dass die OK nur stark sei, wenn sich alle an das von der Mitgliederversammlung beschlossene Wahlprogramm hielten. Es sei unerträglich, dass Einzelne - selbst entgegen der Abstimmung im Gesprächskreis - ihre Minderheitenmeinung in der Synode verbreiten und damit das Ansehen der Offenen Kirche schädigen. Den Diskussionsprozess unter den Synodalen und die inhaltliche Arbeit des Vorstands zu ignorieren sei ebenso unanständig wie die Illoyalität den Mitgliedern gegenüber, deren Zeit, Kraft und Geld sie in Anspruch genommen hätten. Das Wahlprogramm sei mehr als eine unverbindliche Richtschnur. „Es ist der rote Faden für unsere gesamte Arbeit. Ich kenne kein vergleichbar basisdemokratisch abgestimmtes Programm anderer Gesprächskreise, kein solch in die Tiefe gehendes, differenziertes, konkretes Programm“, sagte die Vorsitzende. „Wir sind stark, wenn wir wahrnehmen, wie viele wir sind, die an vielen Stellen die Kirche tragen. Nur so können wir für mehr Inhalt, mehr Vielfalt und mehr Biss in der württembergischen Kirchenpolitik arbeiten.“

Bevor die Gruppe in der Landessynode wechseln wird, galt es, einen Nachfolger für den Rechner Reiner Stoll-Wähling zu finden. Als er den Posten ehrenamtlich übernahm, gab es noch keine neue Satzung, deren praktische Umsetzung noch mehr Arbeit verursachte als die Umstellung des Rechnungswesens von Papier auf elektronische Verarbeitung. Es gab auch noch keine AMOS-Preis-Stiftung und Reiner Stoll-Wähling verlor viel Zeit damit, Spenden und Beiträge der Mitglieder auseinander zu halten. Neben der Mitgliederverwaltung organisierte er den Versand von Beleg- und Probeexemplaren der OK-Zeitschrift, von Büchern und Plakaten und bereitete Vorstands-, BezirksverteterInnen- und Mitgliederversammlungen vor. Bei letzteren half manchmal die ganze Familie. Kathinka Kaden dankte Reiner Stoll-Wähling, der die Okler so verwöhnt habe, dass sie manchmal gar nicht wussten, was er alles geleistet habe.

Als Kassierer wurde Gunter Kaden, von Haus aus Betriebswirt, gewählt. Doch nun muss bis Ende des Jahres jemand gefunden werden, der oder die neben organisatorischem Talent gewissen Stauraum hat, um all die anderen tausend Dinge erledigen zu können.

Verabschieden musste Kathinka Kaden auch den 74-jährigen Fritz Röhm als Rechnungsprüfer (zusammen mit Albrecht Fröhner) und als Geschäftsführer des AMOS-Preises. Auch er ein akribischer Organisator, der zusammen mit Eva-Maria Agster, der früheren Vorsitzenden, den Preis für Courage in Kirche und Gesellschaft um die Jahrtausendwende aus der Taufe hob, obwohl der angekündigte Stifter stiften ging. Heute ist dieser Preis, der am Sonntag Riminiscere zum vierten Mal verliehen wurde, renommiert und begehrt. Fritz Röhm betrieb auch die Gründung der AMOS-Preis-Stiftung, damit die Veranstaltung künftig aus deren Zinsen finanziert werden kann.

Dieter Hödl Nachgewählt in den erweiterten Vorstand haben die Mitglieder Hiltraud Link (mit langjährigen Erfahrungen im ökumenischen und interkulturellem Lernen u.a. in Indonesien), Dieter Hödl (Referatsleiter für hauptamtliche Diakonatsmitarbeiter im OKR) und Pfarrer Michael Seibt (der im Bezirk Cannstatt-Zuffenhausen für die Landessnode kandidiert), so dass dieses Gremium wieder komplett ist.

Gesucht werden dringend zwei RechnungsprüferInnen, ein/e GeschäftsführerIn für den AMOS-Preis und ein Talent für die Geschäftsstelle.

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Mitgliederversammlung 2006:

Am Vormittag sprach die Schweizer Juristin und Parlamentarierin, Dr. Gret Haller zum Thema „Politik der Götter, Europa und der neue Fundamentalismus“. Darüber diskutierte sie anschließend mit Dr. Richard Ziegert, Dekanin Marie-Luise Kling-de Lazzer und Oberkirchenrat Heiner Küenzlen unter der Modaration von Kathinka Kaden. Siehe „Aktuelle Themen“. Der volle Text des Vortrags liegt als PDF-Datei vor.

Am Nachmittag die Mitgliederversammlung mit großem Programm:
Im Geschäftsbericht zählte Kathinka Kaden die wichtigsten Aktivitäten des Leitungskreises im vergangenen Jahr auf, unter anderem die Diskussion um Grundsatzfragen zu den kirchlichen Immobilien. Zum Islam-Tag der Landessynode wurde ein eigenes Papier entwickelt. Es fanden zwei Gespräche mit Landesbischof Frank Otfried July statt. Gemeinsam mit dem Gesprächskreis wurde überlegt, wie neue Mitglieder zu gewinnen sind. Die Bezirksverantwortlichen gaben sich auf der Versammlung im Februar gegenseitig Tipps zur KandidatInnensuche zur Synodalwahl und die Vorsitzende freute sich, viele neue KandidatInnen begrüßen zu können. Die AMOS-Preis-Stiftung wird nun mit 30.000 Euro Stiftungskapital gegründet. Dank an Fritz Röhm, der die Satzung formulierte und prüfen ließ, und an die fünf Mitglieder des Stiftungsrates: Eva-Maria Agster, Christian Buchholz, Elfriede Dehlinger, Marc Dolde und Hans-Peter Ehrlich.

Es wurde ein Entwurf des neuen Wahlprogramms verteilt mit dem Aufruf, ihn in den Bezirken zu diskutieren. Daraufhin kamen viele Änderungswünsche an den Leitungskreis. Vor der Mitgliederversammlung wurden Wahlaufruf und Wahlprogramm verschickt, damit beide verabschiedet werden können. Als UnterstützerInnen auf den Wahl-Faltblättern meldeteten sich bisher über 100 Mitglieder. Auch ein neuer Imageflyer wurde konzipiert, um die OK bekannter zu machen. Die OK müsse sich bemühen, neue Wählerschichten zu erreichen, besonders junge. „Wir können leider nicht auf die Jugendarbeit zurückgreifen, wie sie das ejw hat“, sagte Rainer Weitzel. Das Motto der Wahlkampf-Kampagne heißt: „Mehr Inhalt, mehr Vielfalt, mehr Biss“. Ziel ist, eine hohe Wahlbeteiligung zu erreichen.

Rainer Weitzel berichtete, dass Herr Duncker im OKR zugegeben habe, bei der letzten Wahl seien zuungunsten der OK nicht alle Unterlagen verteilt worden. Duncker betonte dabei, es sei Dienstpflicht jedes Pfarrers und jeder Pfarrerin, die Wahl ordentlich durchzuführen. Auch Briefwahl dürfe nicht behindert werden. Da sich einige Dekanatssekretärinnen beschwert hätten, so viel Papier verarbeiten zu müssen, hat sich die OK bereit erklärt, an jeden Kirchenbezirk so viele Flyer zu schicken, wie er braucht, vorsortiert nach Kirchengemeinden.
Nach einer Generaldebatte und etlichen Änderungswünschen wurde das Wahlprogramm bei zwei Enthaltungen beschlossen. Leitungskreis Ebenso wurde auf Wunsch von Mitgliedern noch einiges im Wahlaufruf geändert und dieser bei einer Enthaltung beschlossen.

Die Entlastung des Vorstands konnte laut Fritz Röhm, einem der beiden Rechnungsprüfer, noch nicht formell geschehen, da das Finanzamt Stuttgart den Freistellungsbescheid zur Körperschafts- und Gewerbesteuer für die Jahre 2003, 2004 und 2005 so spät geschickt habe, dass die Buchhaltung für 2005 nicht mehr rechtzeitig geprüft werden konnte. Zur nächsten Versammlung werden dann beide Jahre zusammen geprüft. Der Haushaltsplan stand aber als Tischvorlage zur Verfügung.

Trotzdem mussten Vorstand und Leitungskreis turnusgemäß neu gewählt werden. Dies geschah schon nach der neuen Satzung. Als Vorsitzende kandidierte Kathinka Kaden, als Stellvertreter Rainer Weitzel und als Rechner Reiner Stoll-Wähling. Alle drei wurden mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt. Für den Leitungskreis stellten sich nur zwei Kandidatinnen und zwei Kandidaten zur Wahl, drei weitere wären noch wünschenswert gewesen. Einige Mitglieder wollten sich erst beim nächsten Mal aufstellen lassen. Die vier bisherigen LK-Mitglieder Albrecht Bregenzer, Cornelia Brox, Renate Lück, und Martin Plümicke wurden ebenfalls mit hohen Voten wiedergewählt.

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Mitgliederversammlung 2005:

Wollen wir die Landeskirche den Evangelikalen überlassen?

Renate Lück

Das treibt die OFFENE KIRCHE schon um: Die Machtkämpfe in kirchlichen Gremien, evangelikale Großveranstaltungen aus den USA, wie Pro Christ und Jesus House, bei denen nicht diskutiert, sondern nur berieselt wird, und die einseitige oder polemische Berichterstattung in einigen Zeitungen - all dies verdichtet sich zu einem Bild von Kirche, vor dem es OK-Mitglieder graust. Bei der diesjährigen Mitgliederversammlung wurden deshalb Visionen entwickelt, wie unsere Landeskirche sein sollte.

Die Vorsitzende, Kathinka Kaden, präsentierte Auszüge aus einem Vortrag des Weltanschauungsbeauftragten der rheinland-pfälzischen Kirche, Dr. Richard Ziegert und eine These von Bischof Dr. Michael Keller aus Münster. Der sah schon 1948 voraus: „Wir sind auf dem Weg zu einer Einheitszivilisation und Einheitskultur. Morgen werden sich die Menschen in Berlin, Peking und anderen Regionen der Welt kaum noch unterscheiden. Und kein Land, keine Stadt, kein Dorf kann sich der unwiderstehlichen Gewalt dieser Umformung entziehen.“ Seit die USA zur neuen Weltmacht geworden sind, ist deren nackte Marktzivilisation auch in religiöse Bereiche eingedrungen. Inzwischen ist ein Religionsmarkt entstanden, in dem sich alles in Geld messen lässt. Die Mega-Kirche Willow Creek zum Beispiel beschäftigt nur eine Hand voll Theologen, dafür aber Psychologen und andere MitarbeiterInnen, die ein genau genormtes Lebenskonzept verkünden. Die amerikanischen Neu-Evangelikalen strotzen vor Selbstbewusstsein und werden immer agressiver in ihrer Mission, sagte Kathinka Kaden, und nannte als Beispiel die Schüler- und Studentenmission Deutschland (SMD), die mit verheerenden sozialen Folgen für Bekehrte und Unbekehrte ihr Unwesen treibe. „Brot und Peitsche“ klappt noch immer. Als „Love-Bombing" werden Geschenke an Schulkinder verteilt, aber Erwachsenen, die den Zehnten verweigern, werden Krankheiten und Missernten angedroht.

Die unter dem Dach der 1957 gegründete „Allianz“ Versammelten glauben buchstäblich, dass Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen habe, und verdammen die Evolutionstheorie. In den USA führt der Fundamentalismus schon dazu, dass die Gesellschaft christenfeindlich wird. Der alte, in Europa gewachsene Pietismus sollte sich dem Evangelikalismus aus Amerika anschließen. In IDEA, dem Pressedienst der „Allianz“, ist der wachsende christliche Fundamentalismus, der sich anderen Religionen als überlegen präsentiert, zu studieren. Demgegenüber beharrt die OFFENE KIRCHE darauf, dass die Bibel Toleranz lehre, denn niemand sei im Besitz des Glaubens. Die OK will weiterhin Treffpunkt für Kritische und Widerständige sein.

Der Leitungskreis hatte einen Entwurf mit Schwerpunktthemen erarbeitet, die von den rund 80 anwesenden Mitgliedern in sieben Arbeitsgruppen im Hinblick auf das nächste Wahlprogramm diskutiert und vertieft wurden. Dabei stellten nicht wenige fest, dass unsere früheren Programme sehr gut waren. Es war nur nicht knapp genug formuliert, was für uns unverzichtbar ist. Wichtig ist allen nach wie vor ein Glaubensverständnis, das Zweifel zulässt, aber Mündigkeit und Beteiligung fördert, das sich hinterfragen lässt und sich den geistigen Bewegungen der Zeit stellt, das den Dialog nicht nur zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen und Religionen als Beitrag zum Frieden sucht, sondern auch zwischen Kirche und Wissenschaft und für das Beratungsstellen und Pfarrstellen für Kranke, Gefangene und in (Seelen-)Not Geratene zum elementaren gesellschaftsdiakonischen Auftrag der Kirche gehören. Die Formulierungen der Stichpunkte gehen nun noch einmal durch alle Gremien und werden im nächsten Jahr als Bausteine fürs Wahlprogramm 2007 von der Mitgliederversammlung verabschiedet.

Am Nachmittag berichtete Kathinka Kaden vom vergangenen Jahr mit Neuerungen, wie Neujahrsbrief und Newsletter (wenn es neue Artikel im Internet gibt), Diskussionen im Leitungskreis mit den ChefredakteurInnen des Evang. Gemeindeblatts für Württemberg und epd sowie einem Gespräch mit dem neuen Landesbischof Frank Otfried July. Geschäftsführer Reiner Stoll-Wähling erläuterte den vorliegenden Jahresabschluss für 2004 und versprach, die Finanzierung der Bezirke auf der nächsten Bezirksverantwortlichen-Versammlung noch einmal zu erklären. Damit die Mitglieder nicht mehr das Problem haben, ihren Beitrag rechtzeitig zu zahlen, bietet und bittet der Kassierer, die Einzugsermächtigung zu nutzen. Die beiden Kassenprüfer, Fritz Röhm und Albrecht Fröhner, waren mit der Kassenführung zufrieden und empfahlen die Entlastung des Kassierers.

Der Geschäftsführer des AMOS-Preises, Fritz Röhm, erzählte begeistert, dass schon 23.000 Euro für die Stiftung zugesagt wurden. Wenn 50.000 Euro zusammenkommen, kann sie gegründet werden. Gerlinde Maier-Lamparter Zustiftungen sind jederzeit möglich und erwünscht, damit der Preis für Zivilcourage alle zwei Jahre durch die Zinsen gesichert ist. Rainer Weitzel erklärte, dass die Stiftung für all diejenigen, die gut verdienen, neben der ethischen Komponente auch steuerlich interessant sei über sonstige Spenden hinaus.

An Verabschiedungen gab es nur eine zu vermelden: Gerlinde Maier-Lamparter hat nach 14 Jahren engagierter Mitarbeit die Redaktion verlassen. Kathinka Kaden rühmte noch einmal ihre Belesenheit und ihre weit reichenden Kenntnisse über Personen, mit denen sie die Redaktion bei Sitzungen in ihrem Wohnzimmer unterstützte. Als Geschenk bekam die Leseratte ein Buch von Eric-Emmanuel Schmitt, dem Autor des Films „Monsieur Ibrahim oder die Blumen des Korans“, über das sie sich sehr freute.

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Mitgliederversammlung 2004:

Gerechtigkeit erhöht ein Volk

Renate Lück

Die Mitgliederversammlung 2004 stand unter dem Thema „Gerechtigkeit erhöht ein Volk“. Dazu hielt Professor Dr. Segbers am Vormittag ein Grundsatzreferat, dem noch eine Podiumsdiskussion zusammen mit Betriebsseelsorger Hartmut Zweigle, Pfarrer Henry von Bose vom Diakonischen Werk und Annette Groth von attac folgte.

Da Christa Maier-Johannsen den Vorsitz in der OK nach dieser Versammlung abgab, berichtete sie nicht nur vom vergangenen „ganz normalen“ Jahr, sondern reflektierte auch ihre fünfjährige Amtszeit. Als neue Vorsitzende wurde dann Pfarrerin Kathinka Kaden gewählt.
 

Im vergangenen Jahr hat der Leitungskreis das Papier „Evangelisch sein heute“ erarbeitet und sowohl dem Bischof als auch der Mitgliederversammlung vorgelegt in der Hoffnung, eine rege Diskussion anzufachen. „Denn eines ist klar: Wir werden im Vorfeld der nächsten Kirchenwahlen deutlich sagen müssen, worin sich die OK von den anderen Gesprächskreisen unterscheidet, damit die WählerInnen wissen, dass es für die Zukunft der Kirche nicht egal ist, welche kirchenpolitischen Positionen die gewählten Synodalen vertreten“, betonte Christa Maier-Johannsen. Im Entwurf „Handreichung für den Glauben“, welche die von Landesbischof Dr. Maier eingesetzte Arbeitsgruppe entworfen hat, ist vom OK-Papier allerdings kaum etwas zu finden.

Thema der BezirksvertreterInnenversammlung war das Papier „Ehrenamt“, in etwa eine Fortschreibung der Visionen in „2010“. Auf der jährlichen Klausurtagung beschäftigte sich der Leitungskreis mit der Wahrnehmung der OK von außen und überlegte Themen, die zur nächsten Kirchenwahl besetzt werden sollten. Weitere Vorschläge der Mitglieder sind erwünscht. Vielleicht tauchen Themen auf, mit denen neue Mitglieder zu gewinnen sind.

Im April besuchte Landesbischof Gerhard Maier den Leitungskreis, ein jährlicher Brauch, der dem direkten Kontakt dient. Maier forderte dabei die OK auf: „Bleiben Sie innovativ, wir erwarten von Ihnen innovative Vorschläge.“ Wolf-Dietrich Hardung Auch wenn diese oft in den Schubladen verschwänden, werde die OK weiterhin anstößig sein, war sich Christa Maier-Johannsen sicher. Im Mai lud der Leitungskreis Mitarbeitervertreter von Verwaltung und Diakonie ein, um sich über die geplanten Änderungen im Tarifrecht zu informieren. Das dürfte in Zukunft ein heißes Eisen sein.

Die Vorsitzende dankte der Redaktion für ihre Arbeit, besonders Wolf-Dietrich Hardung, der das Gesicht des Heftes mitgeprägt habe und sich nun aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen musste. Gesucht werde immer noch ein/e Internet-RedakteurIn, der oder die die Homepage der OK auf aktuellem Stand hält. Das Technische erledigt Daniel Fehrle.

Rückblick

Dass die Leitung eines Vereins so vieler IndividualistInnen nicht immer leicht ist, beschrieb Christa Maier-Johannsen in ihrem Rückblick. Statt Kirchenmitglieder zu erreichen, die (noch) nicht aktiv am Geschehen teilnehmen, gingen einige Treue von Bord aus Ärger über die chaotische Bischofswahl. Als Eckart Gundert sein Amt als Kassierer an Reiner Stoll-Wähling weitergab, hatte der viel Lauferei und Schreiberei mit der Änderung der Banken und der Umstellung der Verwaltung auf Computer. Die Vorsitzende dankte ihm für seine viele Mühe. Fritz Röhm, langjähriger Vize, ist der OK als Geschäftsführer des AMOS-Preises erhalten geblieben.

Ihre Doppelfunktion als Synodale und Vorsitzende empfand Christa Maier-Johannsen einerseits als positiv, da sie in beiden Gremien wusste, was gerade läuft. Andererseits sei es eine Doppelbelastung gewesen, weshalb sie ein bisschen mehr Zeit fürs Leben neben der Kirche haben möchte. Der Wechsel sei jetzt günstig, da sich die Nachfolgerin noch vor der heißen Phase 2007 einarbeiten könne. Sie hoffe, dass eine jüngere Vorsitzende junge Menschen ermutigen könne, die Kirche mitzugestalten - in der OK natürlich. In einer Steuerungsgruppe, in der Gesprächs- und Leitungskreis gemeinsam die nächste Wahl vorbereiten sollten, würde sich die scheidende Vorsitzende gern einbringen.

Synode

Martin Dolde, einer drei SprecherInnen des Gesprächskreises, zeichnete ein positives Bild von der Arbeit der OK in der Synode (siehe auch „Halbzeitbilanz“). Als Vorsitzender des Strukturausschusses machte ihm persönlich das Einsparen von 16 Millionen Euro im Landeskirchenhaushalt am meisten zu schaffen. Das Ziel sei nun mit 15,5 Millionen Euro fast erreicht. Die Diskussion um die Ämter auf Zeit hat Wiebke Wähling - selbst Dekanin - angestoßen. Dass der Oberkirchenrat seinen Chef nicht mehr mitwählen darf, ließ eine kürzere und transparentere Wahl erhoffen. Leider wurden die Namen auch diesmal vor der Nominierung bekannt, was einen Schatten auf das Procedere werfe. Die OK-Leute seien aber stolz darauf, eine gute Kandidatin gefunden zu haben.

Als nächste Themen stehen die Handreichung über den Glauben zur Debatte (welchen Sinn hat sie, wem nützt sie?), die „wachsende Kirche“ und die Visitation der Gemeinden (ein Instrument aus dem Mittelalter oder notwendig?). In den Jahren 2006 bis 2011 muss für den Pfarrplan II entschieden werden, ob Pfarrstellen abgebaut werden sollen und wenn, wo. Bei dieser Diskussion müsse die OK überlegen, welche Aufgaben ureigenster Auftrag der PfarrerInnen sind und welche andere übernehmen könnten (Stichwort "Gemeindemanagment").

Cornelia Brox und Christa Maier-Johannsen Verabschiedung.....

Cornelia Brox, selbst Synodale und Leitungskreismitglied, sprach das nicht immer reibungslose Miteinander zwischen Gesprächs- und Leitungskreis an. Das habe Christa Maier-Johannsen besonders während der Bischofswahl im November 2000 und im Februar 2001 viel Kraft gekostet. Sie habe um eine klare OK-Linie gekämpft, immer im Blick auf die Mitglieder und die Öffentlichkeit. Deshalb sei es für sie auch besonders schmerzlich gewesen, als trotz des guten Wahlprogramms fünf Sitze in der Synode verloren gingen. Cornelia Brox unterstrich, dass ihre Kollegin die Vorhaben des Leitungskreises auch dann unterstützt habe, wenn es schwierig wurde. Erfreuliche Veranstaltungen in ihrer Ära waren die Verleihungen des AMOS-Preises - Marksteine für die ganze OK. Alles in allem habe Christa Maier-Johannsen viel Arbeit im Hintergrund geleistet, wofür der Leitungskreis herzlich danke.

.....und Neuwahl

Erste Vorsitzende: Kathinka Kaden (untere Reihe, Zweite von links). Sie fing während des Studiums 1987 in der OK als Pressefrau an, ist jetzt geschäftsführende Pfarrerin von fünf Dörfern im Dekanat Geislingen und möchte dazu ermutigen, die OK-Fragen weiterzuentwickeln und von der Kirche Enttäuschte bei ihrem Hunger nach Gott abzuholen. Stellvertretender Vorsitzender: Rainer Weitzel (untere Reihe links): „22 heftige Jahre in Berlin“, war Mitglied der Berlin-Brandenburger Synode, jetzt KGR-Vorsitzender in Möhringen und Berater für soziale Unternehmen. Für Reiner Stoll-Wähling als Rechner (ganz oben) sprach dessen übersichtlicher Kassenbericht.

Als weitere Mitglieder des Leitungskreises wurden gewählt: Cornelia Brox, Krankenschwester, seit zehn Jahren im Leitungskreis, seit neun Jahren in der Synode, immer noch diskutierfreudig (unten, Zweite von rechts); Gisela Dehlinger, Pfarrerin, engagiert sich in der Landeskirche am liebsten da, wo es etwas zu verändern gibt (zweite Reihe rechts); Renate Lück, seit elf Jahren in der OK-Redaktion, auch sonst ein Schreiberling, war 14 Jahre Kirchengemeinderätin, jetzt noch im Bezirksausschuss des Betriebsseelsorgers (unten rechts); Albrecht Bregenzer, Stabs- und Pressearbeit von Berufs wegen gewöhnt, entwarf die meisten LK-Grundlsatzpapiere (zweite Reihe); Markus Grapke, Pfarrer in Zuffenhausen, Aidsseelsorger des Bezirks, schrieb den Entwurf „Evangelischsein heute“ (obere Reihe, Zweiter von rechts); Michael Kannenberg: Pfarrer, teilte bis 2000 eine Stelle mit seiner Frau, jetzt vormittags Doktorand und nachmittags Hausmann, will eine Kirche, die nicht nur redet, sondern sich einmischt (obere Reihe, links); Martin Plümicke, Professor für Informatik, Vorsitzender der Gesamtkirchengemeinde Reutlingen (obere Reihe, Zweiter von links), will eine OK, die Salz ist und klarstellt, welche Inhalte zum Kerngeschäft der Kirche gehören (zum Beispiel Bildung?).

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Mitgliederversammlung 2003:

Evangelisch sein heute

Jahresversammlung Die Mitgliederversammlung 2003 stand komplett unter dem Thema „Evangelisch sein heute“. Cornelia Füllkrug-Weitzel Damit wollte die OK zu dem offenen Prozess, den Bischof Dr. Maier zu einem Grundkonsens des Glaubens anregte, ihren Beitrag leisten.

Den Impuls setzte Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel. Dabei beschränkte sie sich in ihrem Vortrag auf die Aspekte, für die sie als Direktorin von „Brot für die Welt“ und der Diakonie Katastrophenhilfe steht und die für die Geschichte und das Profil der OK wichtig sind.

Der Bericht über die Jahresversammlung und der gekürzte Vortrag von Frau Füllkrug-Weitzel stehen in Heft 4/2003. Das von der Mitgliederversammlung beschlossenen Positionspapier „Evangelisch sein heute“ ist unter der Rubrik OK-Positionen zu finden.

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Mitgliederversammlung 2002:

30 Jahre OFFENE KIRCHE

Im Oktober 2002 feierten rund 200 FreundInnen der OFFENEN KIRCHE in der Stuttgarter Erlöserkirche den 30. Namenstag des Gesprächskreises. Christa Maier-Johannsen ging deshalb in ihrem Rechenschaftsbericht nicht nur auf das abgelaufene Jahr ein, sondern beleuchtete im Eilschritt die vergangenen 30 Jahre, in denen sich unsere Gruppierung OFFENE KIRCHE nennt (nachzulesen in Heft 3/2002).

Den Festvortrag hielt der Generalsekretär des Ökumenischen Rats der Kirche, Dr. Konrad Raiser. Er stand unter dem Thema: „Württemberg und die Ökumene“. Diesen Text, in dem er auch auf die Störfeuer der Württembergischen Landeskirche gegen den ÖKR einging, gibt es zusammen mit den Grußworten von Landesbischof Dr. Gerhard Maier und dem Präsidenten der Landessynode, Horst Neugart, bei der Geschäftsstelle.

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